Jugendstil & Wiener Werkstätte im 1. Bezirk, 1010 Wien
Wiener Werkstätte und Jugendstil aus der Inneren Stadt
Verkaufslokal der Wiener Werkstätte am Graben, Lobmeyr in der Kärntner Straße, Postsparkasse und Secession: Hier kaufte die Kundschaft der Wiener Moderne ein.
Wer um 1910 eine Beletage am Ring oder ein Bürgerhaus an der Freyung bewohnte, hatte die Verkaufsräume der Wiener Moderne vor der Tür. Am Graben hatte die Wiener Werkstätte ab 1907 ihr Verkaufslokal, J. & L. Lobmeyr seit 1895 das Geschäft in der Kärntner Straße 26, und Backhausen führte Verkaufsräume im Bezirk. Entsprechend stehen in Verlassenschaften Gläser mit Bronzitdekor, Gitterwerk-Körbe und Silberbestecke neben Speisezimmern des Historismus. Unter alten Mietverträgen nutzen manche Familien dieselbe Wohnung seit Jahrzehnten, Vitrinen und Bücherkästen sind oft nie ausgeräumt worden.
Die Bauten liefern die Vergleichsstücke. In der Postsparkasse am Georg-Coch-Platz stehen Fauteuils nach Gustav Siegel, Glasfenster von Leopold Forstner und Otto Wagners Aluminiumdetails; die Secession an der Friedrichstraße zeigt Gustav Klimts Beethovenfries und die Kranzträgerinnen Koloman Mosers. Für das Kabarett Fledermaus entwarf Josef Hoffmann 1907 die Ausstattung, Moriz Jung Programmheft und Plakat. Das MAK am Stubenring bewahrt das Archiv der Wiener Werkstätte, mit dessen Musterbüchern und Werkfotos sich Modelle und Marken abgleichen lassen.
Fotografieren Sie Böden, Innenseiten und Unterseiten: Das Monogramm WW, die Rosenmarke und Zeichen wie JH oder KM entscheiden über die Zuordnung, nachträglich eingeschlagene Marken sitzen oft zu tief. Stammt ein Stück aus einem Haushalt im Textilviertel um Rudolfsplatz und Salzgries, der 1938 aufgelöst wurde, steht die Provenienzprüfung am Anfang. Kastenmöbel aus Wohnungen mit engem Barockstiegenhaus nehmen wir zerlegt mit; die Zufahrt in die Fußgängerzone stimmen wir mit Ihnen ab.
Was in Innere Stadt häufig auftaucht
- Gläser mit Bronzitdekor von J. & L. Lobmeyr – Entwürfe Josef Hoffmanns, oft direkt im Geschäft in der Kärntner Straße gekauft
- Silber und Gitterwerk der Wiener Werkstätte – Verkaufslokal am Graben ab 1907, Kundschaft aus dem Großbürgertum
- Möbelstoffe und Vorhänge von Joh. Backhausen & Söhne – Verkaufsräume im Bezirk, Ausstattung von Ringstraßenwohnungen
- Programmhefte und Plakate zum Kabarett Fledermaus – Spielstätte an der Kärntner Straße, Grafik von Moriz Jung
Mit Bezug zu Innere Stadt
Künstler, Werkstätten und Stile dieser Sparte, die im 1. Bezirk gelebt, gearbeitet oder gebaut haben.
Josef Hoffmann
Kabarett Fledermaus an der Kärntner Straße (1907), Gesamtausstattung durch die Wiener Werkstätte.
Koloman Moser
Fries der Kranzträgerinnen am Secessionsgebäude.
Eduard Josef Wimmer-Wisgrill
Kostüme und Bühnenbilder für das Kabarett Fledermaus (1907).
Lotte Calm
Wandbilder im Stiegenaufgang der Textilabteilung der Wiener Werkstätte, Kärntner Straße 32 (1918).
Fritzi Löw
Wandbilder der Textilabteilung der Wiener Werkstätte in der Kärntner Straße 32 (1918, mit Lotte Calm und anderen).
Moriz Jung
Programmheft und Plakat für das Kabarett Fledermaus.
Leopold Forstner
Glasfenster der Postsparkasse (1904–1906).
Gustav Siegel
Fauteuils in der Postsparkasse nach seinem Entwurf.
Marcel Kammerer
Einrichtung der Postsparkasse und Wohnhaus Dorotheergasse 5–7 (mit Hoppe und Schönthal, Preis der Stadt Wien 1915).
Otto Wagner
Postsparkasse am Georg-Coch-Platz (1904–1906 und 1910–1912) und Ankerhaus am Graben 10 (1894/95).
Joseph Maria Olbrich
Secessionsgebäude in der Friedrichstraße 12 (1897/98).
Joseph Urban
Rathauskeller im Wiener Rathaus (1898) und Ausstellungshalle des Hagenbundes in der Zedlitzgasse (abgebrochen).
Gustav Klimt
Beethovenfries in der Secession, Friedrichstraße 12; Deckenbilder in den Stiegenhäusern des Burgtheaters.
Alfred Roller
Ausstattungsleiter der Hofoper ab 1903; Direktor der Kunstgewerbeschule am Stubenring 1909–1934.
Remigius Geyling
Ausstattungschef des Burgtheaters 1909–1911 und 1922–1945; Professor an der Kunstgewerbeschule am Stubenring 1926–1946.
Heinrich Lefler
Ausstattung des Rathauskellers mit Joseph Urban (1898/99); Ausstattungsleiter der Hofoper 1900–1903 und des Burgtheaters 1903–1910.
Franz Metzner
Atlanten am Zacherlhaus an der Brandstätte (1903–1905).
Gustav Gurschner
Reiterdenkmal für das Dragonerregiment Nr. 14 in der Augustinerkirche.
Oskar Kokoschka
Studium an der Kunstgewerbeschule am Stubenring 1904–1909.
Egon Schiele
Studium an der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz (1906–1909).
Heinrich Kautsch
Kränze am Heldentor.
Othmar Schimkowitz
Gorgonenhäupter über dem Eingang der Secession und Akroterfiguren der Postsparkasse.
Fritz Waerndorfer
Finanzierte 1907 das Cabaret Fledermaus an der Ecke Kärntner Straße und Johannesgasse.
Wiener Werkstätte
Verkaufslokal am Graben ab 1907.
J. & L. Lobmeyr
Geschäft mit kleinem Firmenmuseum in der Kärntner Straße 26, seit 1895.
Gebrüder Thonet
Sessel für das Café Daum am Kohlmarkt ab 1849 und erste Verkaufsniederlassung in der Inneren Stadt.
Joh. Backhausen & Söhne
Verkaufsräume in der Inneren Stadt.
Woka
Geschäft im Palais Breuner in der Singerstraße.
Wiener Werkbund
Werkbundausstellung 1930 im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, dem heutigen MAK.
Jugendstil
Postsparkasse von Otto Wagner, Ankerhaus am Graben, Zacherlhaus von Jože Plečnik.
Wiener Secession
Ausstellungshaus der Secession an der Friedrichstraße mit Beethovenfries.
Wiener Moderne
Looshaus am Michaelerplatz (1910/11) und Café Museum (1899) von Adolf Loos.
Geometrischer Jugendstil
Postsparkasse von Otto Wagner mit Aluminiumdetails; MAK mit Möbeln und Metallarbeiten.
Floraler Jugendstil
Engel-Apotheke in der Bognergasse mit Mosaikfassade nach Oskar Laske.
Stil der Wiener Werkstätte
Archiv der Wiener Werkstätte im MAK; Kabarett Fledermaus von 1907.
Arts and Crafts
Secession, deren achte Ausstellung 1900 Ashbee und Mackintosh zeigte.
Japonismus
MAK mit Sammlung japanischer Färberschablonen; Secession, deren sechste Ausstellung 1900 Japan galt.
Symbolismus
Klimts Beethovenfries (1902) im Untergeschoß der Secession.
Art déco
Hochhaus Herrengasse von Siegfried Theiss und Hans Jaksch (1931/32).
Objektgruppen
- Silberarbeiten der Wiener Werkstätte
- Gitterwerk-Körbe und -Vasen
- Metallarbeiten der Wiener Werkstätte
- Keramik der Wiener Werkstätte
- Postkarten der Wiener Werkstätte
- Stoffe der Wiener Werkstätte und von Backhausen
- Schmuck der Wiener Werkstätte
- Wiener Jugendstilgläser
- Bugholzmöbel der Wiener Moderne
- Kastenmöbel der Wiener Moderne
- Korbmöbel der Wiener Moderne
- Beleuchtungskörper der Wiener Moderne
- Ver Sacrum und Secessionskataloge
- Porzellan nach Entwürfen der Wiener Moderne
- Jugendstil-Zinn und versilbertes Metall
- Bleiglasfenster und Mosaike
- Lederwaren und Bucheinbände der Wiener Werkstätte
- Besteck nach Josef Hoffmann
- Rahmen, Spiegel und Holzarbeiten nach Peche
- Emailarbeiten des Wiener Jugendstils
Alle Künstler, Marken, Epochen und Materialien
Gold markiert: mit belegtem Bezug zum 1. Bezirk.
Künstler
64
- Josef Hoffmann1870–1956
- Koloman Moser1868–1918
- Otto Prutscher1880–1949
- Dagobert Peche1887–1923
- Carl Otto Czeschka1878–1960
- Eduard Josef Wimmer-Wisgrill1882–1961
- Mathilde Flögl1893–1958
- Maria Likarz1893–1971
- Felice Rix-Ueno1893–1967
- Kitty Rix1901–1951
- Hilda Jesser1894–1985
- Lotte Calm1897–1974
- Fritzi Löw1892–1975
- Moriz Jung1885–1915
- Rudolf Kalvach1883–1932
- Mela Koehler1885–1960
- Josef von Divéky1887–1951
- Jutta Sika1877–1964
- Therese Trethan1879–1957
- Bertold Löffler1874–1960
- Michael Powolny1871–1954
- Vally Wieselthier1895–1945
- Susi Singer1891–1955
- Gudrun Baudisch1907–1982
- Ugo Zovetti1879–1974
- Leopold Forstner1878–1936
- Carl Hagenauer1872–1928
- Gustav Siegel1880–1970
- Marcel Kammerer1878–1959
- Otto Wagner1841–1918
- Joseph Maria Olbrich1867–1908
- Ernst Lichtblau1883–1963
- Joseph Urban1872–1933
- Gustav Klimt1862–1918
- Ernst Stöhr1860–1917
- Adolf Böhm1861–1927
- Alfred Roller1864–1935
- Elena Luksch-Makowsky1878–1967
- Remigius Geyling1878–1974
- Emil Orlik1870–1932
- Ludwig Heinrich Jungnickel1881–1965
- Heinrich Lefler1863–1919
- Franz Metzner1870–1919
- Richard Luksch1872–1936
- Gustav Gurschner1873–1970
- Oskar Kokoschka1886–1980
- Egon Schiele1890–1918
- Emanuel Josef Margold1888–1962
- Georg Adam Scheid1838–1921
- Alfons Mucha1860–1939
- Aubrey Beardsley1872–1898
- Peter Behrens1868–1940
- Emilie Flöge1874–1952
- Heinrich Kautsch1859–1943
- Eduard Klablena1881–1933
- Max Kurzweil1867–1916
- Rudolf Ribarz1848–1904
- Othmar Schimkowitz1864–1947
- Leopold Stolba1863–1929
- Franz von Stuck1863–1928
- Jan Toorop1858–1928
- Heinrich Vogeler1872–1942
- Fritz Waerndorfer1868–1939
- Franz von Zülow1883–1963
Manufakturen & Marken
52
- Wiener Werkstätte1903–1932
- J. & L. Lobmeyrseit 1823
- Johann Lötz Witwe1851–1947
- E. Bakalowits & Söhne19. Jahrhundert bis 20. Jahrhundert
- Meyr's Neffe19. Jahrhundert bis 1922
- Wilhelm Kralik Sohnab 1881
- Pallme-Königum 1890 bis um 1930
- Jacob & Josef Kohnab den 1860er-Jahren bis 1914, danach Kohn-Mundus
- Gebrüder Thonetseit 1849 (Werkstatt), Firmenname seit 1853
- Mundus1907–1922, danach Thonet-Mundus
- Portois & Fixab 1881 bis ins 20. Jahrhundert
- Bernhard Ludwigzweite Hälfte 19. Jahrhundert bis 20. Jahrhundert
- Prag-Rudniker Korbwarenfabrikationum 1900 bis Zwischenkriegszeit
- Wittmannseit 1896
- Joh. Backhausen & Söhneseit 1849
- Josef Böck19. Jahrhundert bis 20. Jahrhundert
- Wiener Porzellanmanufaktur Augartenseit 1923
- Wiener Keramik1906–1913
- Vereinigte Wiener und Gmundner Keramik1913 bis in die 1920er-Jahre
- Friedrich Goldscheider1885 bis in die 1950er-Jahre
- Ernst Wahlissum 1863–1920er-Jahre
- Amphoraseit 1892
- Alexander Sturmspätes 19. Jahrhundert bis Zwischenkriegszeit
- Argentor-Werkeum 1900 bis Zwischenkriegszeit
- WMFseit 1853
- Kayserzinnum 1885 bis um 1930
- Orivitum 1894 bis um 1905, danach bei WMF
- Osirisum 1899 bis um 1914
- Liberty & Co.seit 1875
- Theodor Fahrnerbis 1979
- Wokaseit 1977
- Établissements Galléum 1873–1936
- Cristallerie Daumseit 1878
- Tiffany Studios1885–1932
- Fachschule Steinschönauseit 1856
- Fachschule Haidaseit 1870
- Bruckmann & Söhne1805–1973
- Deutsche Werkstätten Hellerauseit 1898
- Karlsruher Majolikaseit 1901
- Wiener Kunstkeramische Werkstätteum 1905 bis um 1915
- Wiener Medaillenprägeanstalten19. und 20. Jahrhundert
- Royal Duxseit 1853
- Rozenburg1883–1917
- Schleiss Gmundenfrühes 20. Jahrhundert bis Mitte 20. Jahrhundert
- Schwestern Flöge1904–1938
- Theresienthalseit 1836
- Val Saint Lambertseit 1826
- Wächtersbachseit 1832
- Wiener Werkbundgegründet 1912
- Westerwälder Steinzeug16. Jahrhundert bis Gegenwart
- Wilkensseit 1810
- Zsolnayseit 1853
Epochen & Stile
11
- Jugendstilum 1895–1914
- Wiener Secessionab 1897 (Stilprägung bis um 1905)
- Wiener Moderneum 1890–1918
- Geometrischer Jugendstilum 1900–1915
- Floraler Jugendstilum 1895–1905
- Stil der Wiener Werkstätte1903–1932
- Art nouveauum 1890–1910
- Arts and Craftsum 1860–1910
- Japonismusum 1860–1920
- Symbolismusum 1880–1910
- Art découm 1920–1940
Materialien, Techniken & Punzen
26
Fragen zu Jugendstil & Wiener Werkstätte
Mein Objekt hat eine WW-Marke – ist es damit echt?
Nicht zwingend. Marken der Wiener Werkstätte wurden häufig gefälscht und nachträglich eingeschlagen. Entscheidend sind Material, Verarbeitung, Proportionen und der Vergleich mit dokumentierten Modellen im Archiv.
Was ist Gitterwerk?
Gitterwerk sind Körbe, Vasen, Jardinieren und Tafelaufsätze aus durchbrochenem Eisenblech mit quadratischem Lochmuster, meist weiß lackiert, seltener aus Silber. Josef Hoffmann und Koloman Moser entwarfen sie ab etwa 1904 für die Wiener Werkstätte.
Welche Postkarten der Wiener Werkstätte sind gesucht?
Gesucht sind Karten bekannter Künstler wie Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Rudolf Kalvach oder Moriz Jung, ungelaufene Karten in gutem Zustand und seltene Nummern. Die Nummer auf der Rückseite erlaubt die Bestimmung von Serie und Entwerfer.
Jugendstil & Wiener Werkstätte in den Nachbarbezirken
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- Musikinstrumente
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- Dosen, Miniaturen & Objets de vertu
- Schreibgeräte, Feuerzeuge & Raucherbedarf
- Vintage-Mode, Handtaschen & Accessoires
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