Kunsthandwerk & Design
Textilien, Stickerei & Spitze verkaufen in Wien
Alte Textilien sind Handarbeit, Technikgeschichte und Mode zugleich. Bewertet werden Technik, Material, Alter, Herkunft und Erhaltung.
In Wiener Wäschekästen, Truhen und Dachböden liegen oft Textilien aus mehreren Generationen: Aussteuerwäsche aus Leinen mit gestickten Monogrammen, Damast-Tischtücher für zwölf Personen, Klöppelspitze, eine Taufgarnitur aus Batist, eine Petit-Point-Tasche, ein Kaschmirschal der Urgroßmutter. Viele dieser Stücke wurden von Hand gefertigt, in Klöppelschulen der Monarchie, in Klöstern, in Wiener Stickereiwerkstätten oder zu Hause. Ihr Wert hängt weniger vom Material ab als von Technik, Feinheit, Erhaltung und dem Interesse von Sammlern, Museen, Restauratoren und Kostümbildnern.
Wien war im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein Zentrum der Textilproduktion und des Textildesigns. Philipp Haas & Söhne und Joh. Backhausen & Söhne webten Möbelstoffe, Vorhänge und Teppiche für Ringstraßenbauten und Palais, die Wiener Werkstätte richtete 1910 eine eigene Stoffabteilung ein, deren Drucke nach Entwürfen von Josef Hoffmann, Dagobert Peche, Mathilde Flögl, Maria Likarz und vielen anderen heute zu den gesuchten Textilien der Wiener Moderne zählen. Die Wiener Petit-Point-Stickerei mit ihren winzigen Stichen ist bis heute eine lokale Spezialität.
Textilien sind empfindlich gegen Licht, Feuchtigkeit, Motten und unsachgemäße Reinigung. Bitte waschen, bügeln oder stärken Sie alte Stücke nicht vor dem Verkauf, und lösen Sie keine Flecken mit Haushaltsmitteln. Seide wird brüchig, wenn sie gefaltet lagert, Leinen vergilbt an Faltkanten, Metallfäden laufen an. Das alles gehört zum Alter eines Textils und wird in der Bewertung berücksichtigt. Eine falsche Behandlung zerstört dagegen oft, was über Jahrzehnte erhalten blieb. Rollen statt Falten schont große Stücke beim Transport.
Für eine erste Einschätzung genügen Fotos des ganzen Stücks, einer Detailaufnahme der Technik und einer eventuellen Signatur, eines Etiketts oder einer Webkante. Wir besichtigen Textilien kostenlos in allen 23 Wiener Bezirken, auch ganze Wäschekästen und Truhen aus einer Verlassenschaft. Einfache Haushaltswäsche nehmen wir im Konvolut, besondere Stücke bewerten wir einzeln. Die Bezahlung erfolgt bar oder per Überweisung. Bleibt nach der Auswahl Hausrat übrig, übernimmt die Räumung auf Wunsch unsere Schwesterseite für Wien.
Objektgruppen
24 Gruppen, jede mit eigener Seite: Was es ist, woran der Wert hängt, wie man Originale erkennt.
Paramente und Kirchentextilien
Liturgische Gewänder und Textilien wie Kasel, Pluviale, Dalmatik, Stola und Antependium.
Klöppelspitzen aus Flandern und der Monarchie
Mit Klöppeln auf einem Kissen geflochtene Spitze aus Flandern, Frankreich, dem Erzgebirge und der Monarchie.
Nadelspitzen aus Venedig, Burano und Alençon
Mit Nähnadel und einem einzigen Faden gearbeitete Spitze aus Venedig, Burano, Alençon und Brüssel.
Plauener und Maschinenspitze
Industriell gefertigte Spitzen und Stickereien, von der Leavers-Spitze bis zur Plauener Ätzspitze.
Aussteuerwäsche mit Monogramm
Leinen- und Baumwollwäsche aus der Aussteuer, mit gestickten Initialen, Hohlsaum und Weißstickerei.
Damast-Tischwäsche
Tischtücher und Serviettensätze aus Leinen- oder Baumwolldamast mit eingewebten Mustern.
Petit-Point-Taschen, Etuis und Bilder
Feinste Nadelmalerei im Gobelinstich, verarbeitet zu Abendtaschen, Etuis, Puderdosen und Bildern.
Mustertücher und Stickbilder
Stickmustertücher, Seidenstickbilder und Berliner Wollstickerei aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Goldhauben und Trachtentextilien
Goldhauben, Trachtentücher, Brokatmieder und bestickte Trachtenstoffe aus den österreichischen Ländern.
Stoffe der Wiener Werkstätte
Bedruckte Seiden-, Baumwoll- und Leinenstoffe der Stoffabteilung der Wiener Werkstätte ab 1910.
Möbel- und Vorhangstoffe
Gewebte Damaste, Brokate, Lampas und Samte für Polster und Fenster, von Backhausen, Haas und anderen Webereien.
Textile Musterbücher
Musterbücher, Musterkarten, Entwurfsmappen und Patronen aus Webereien, Druckereien und Stickereien.
Kaschmir- und Paisleyschals
Große Umschlagtücher mit Boteh-Muster aus Kaschmir und ihre europäischen Nachahmungen.
Seidencarrés und Foulards
Bedruckte Seidentücher von Modehäusern, Künstlern und Manufakturen, vom Hermès-Carré bis zum Souvenirtuch.
Vereins- und Zunftfahnen
Gestickte und bemalte Fahnen von Vereinen, Zünften, Feuerwehren und Gemeinden, mit Bändern und Fahnennägeln.
Tages- und Bettdecken
Bettüberwürfe, Steppdecken und Tagesdecken aus Seide, Brokat, Leinen und Baumwolle mit Stickerei oder Steppmuster.
Osmanische Stickereien
Gold-, Silber- und Seidenstickereien aus dem Osmanischen Reich, von Bohça bis Dival-Arbeit.
Chinesische und japanische Seidentextilien
Rangabzeichen, Drachenroben, Kesi-Wirkereien, Kimonos, Obis und Fukusa aus China und Japan.
Blaudruck und Druckmodel
Indigogefärbte Stoffe mit weißem Reservemuster und die hölzernen Model, mit denen sie gedruckt wurden.
Posamenten, Borten und Quasten
Zierbänder, Fransen, Quasten, Kordeln und Metallborten für Vorhänge, Möbel, Uniformen und Paramente.
Taufkleider und Taufpolster
Taufkleider, Taufpolster, Taufdecken und Häubchen aus Batist, Seide und Spitze.
Theater-, Opern- und Faschingskostüme
Bühnenkostüme aus Theater und Oper, Ballkostüme und Verkleidungen aus dem Wiener Fasching.
Künstlertextilien des 20. Jahrhunderts
Stoffe, Batiken und Wandbehänge nach Entwürfen bildender Künstler und Designer.
Klöppelkissen, Stickrahmen und Nähkästchen
Arbeitsgerät für Handarbeit: Klöppelkissen mit Klöppeln, Stickrahmen, Nähkästchen und Nähtische.
Wovon der Wert abhängt
Technik
Handgeklöppelte und genähte Spitze, feine Petit-Point- und Goldstickerei sind arbeitsaufwendig und gesucht. Maschinenware wird geringer bewertet.
Alter
Textilien des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts sind selten, weil sie verschlissen. Gut erhaltene Stücke dieser Zeit haben Sammlerwert.
Entwerfer und Hersteller
Stoffe der Wiener Werkstätte, von Backhausen oder nach Josef Frank haben einen eigenen Markt. Webkanten, Etiketten und Musterbücher belegen die Herkunft.
Material
Seide, feines Leinen, Kaschmirwolle und echte Metallfäden heben den Wert. Kunstseide und Lurex wirken ähnlich, sind aber jünger und günstiger.
Erhaltung
Löcher, Mottenfraß, brüchige Seide, Stockflecken und ausgeblichene Farben mindern den Wert. Ungewaschene, unberührte Stücke sind oft besser als schlecht gereinigte.
Vollständigkeit
Komplette Garnituren, Serviettensätze in voller Zahl, Paramentensätze in einer Farbe und Fahnen mit Bändern und Spitze sind mehr wert als Einzelteile.
Herkunft
Belege aus Klöstern, Familien und Manufakturen erhöhen das Interesse. Kirchliche Textilien erfordern eine Klärung der Provenienz.
Originale erkennen
Die Unterscheidung von Hand- und Maschinenarbeit gelingt mit Lupe und Gegenlicht. Handgeklöppelte Spitze zeigt verflochtene Fäden mit leichten Unregelmäßigkeiten, Nadelspitze knopflochartige Stiche, Maschinenspitze dagegen völlig gleichmäßige Muster und oft einen Tüllgrund aus sechseckigen Waben. Plauener Ätzspitze hat keinen Grundstoff mehr, weil dieser nach dem Besticken chemisch aufgelöst wurde. Bei Stickereien zeigt die Rückseite die Arbeitsweise: Handstickerei hat Fadenwechsel und Knoten, Maschinenstickerei gleichmäßig durchgezogene Fäden.
Material lässt sich oft ohne Laborprüfung einordnen. Leinen ist kühl, glatt und knittert stark, Baumwolle weicher, Seide glänzt und fühlt sich warm an. Echte Metallfäden bestehen aus vergoldetem oder versilbertem Silber- oder Kupferdraht, der um eine Seidenseele gewickelt ist, und laufen dunkel an; Lurex und Kunststofffäden bleiben glänzend. Stoffe der Wiener Werkstätte tragen an der Webkante oft den Schriftzug der Werkstätte, Möbelstoffe von Backhausen Musternummern. Monogramme in Wäsche nennen Initialen der Braut, manchmal mit Jahreszahl und Krone.
Paramente, Fahnen und Textilien aus Kirchen, Klöstern oder öffentlichem Besitz sind Kulturgut; wir prüfen die Herkunft und kaufen nur bei geklärter Provenienz an. Fahnen und Textilien mit NS-Symbolik kaufen wir nicht.
Textilien, Stickerei & Spitze in Ihrem Bezirk
Für jeden Bezirk eine eigene Seite mit den Künstlern, Werkstätten und Beständen, die dort eine Rolle spielen.
Künstler, Marken, Epochen und Materialien
Künstler
18
- Josef Hoffmann1870–1956
- Koloman Moser1868–1918
- Dagobert Peche1887–1923
- Eduard Josef Wimmer-Wisgrill1882–1961
- Carl Otto Czeschka1878–1960
- Mathilde Flögl1893–1958
- Maria Likarz1893–1971
- Felice Rix-Ueno1893–1967
- Hilda Jesser1894–1985
- Lotte Calm1897–1974
- Ugo Zovetti1879–1974
- Josef Frank1885–1967
- Carl Witzmann1883–1952
- Raoul Dufy1877–1953
- Susanne Wenger1915–2009
- Emilie Flöge1874–1952
- Wolfgang Hutter1928–2014
- Oskar Wlach1881–1963
Manufakturen & Marken
17
- Joh. Backhausen & Söhneseit 1849
- Philipp Haas & Söhneab 1810 bis ins 20. Jahrhundert
- Ginzkeyab 1843 bis 1945
- Wiener Gobelin-Manufaktur20. Jahrhundert
- Wiener Werkstätte1903–1932
- Haus & Gartenseit 1925
- Svenskt Tennseit 1924
- Liberty & Co.seit 1875
- Hermèsseit 1837
- Burberryseit 1856
- Fendi Romaseit 1925
- Käthe Kruseseit 1911
- Knizeseit 1858
- P. & C. Habiggegründet 1862
- Schwestern Flöge1904–1938
- Steiffseit 1880
- Yves Saint Laurentseit 1961
Epochen & Stile
19
- Hochbarockum 1680–1730
- Rokokoum 1730–1770
- Chinoiserieum 1680–1790, Wiederbelebung im 19. Jahrhundert
- Biedermeier1815–1848
- Historismusum 1840–1914
- Makartstilum 1870–1890
- Arts and Craftsum 1860–1910
- Jugendstilum 1895–1914
- Stil der Wiener Werkstätte1903–1932
- Art découm 1920–1940
- Bauhaus1919–1933
- Wiener Wohnkultur der Zwischenkriegszeitum 1919–1938
- Volkskunst17.–20. Jahrhundert
- Heimatstilum 1905–1960
- Qing-Dynastie1644–1911
- Edo-Zeit1603–1868
- Directoireum 1790–1804
- Fauvismus1905–1908
- Orphismusum 1911–1914
Materialien, Techniken & Punzen
10
Fragen zu Textilien, Stickerei & Spitze
Soll ich alte Wäsche und Spitze vor dem Verkauf waschen?
Nein. Waschen, Bleichen und Stärken kann alte Fasern beschädigen und Flecken fixieren. Wir bewerten Textilien in ihrem aktuellen Zustand.
Woran erkenne ich handgeklöppelte Spitze?
Mit einer Lupe sieht man verflochtene Fadenpaare und kleine Unregelmäßigkeiten. Maschinenspitze ist völlig gleichmäßig und hat oft einen Tüllgrund aus sechseckigen Maschen.
Kaufen Sie auch einfache Bettwäsche und Tischtücher?
Ja, im Konvolut. Leinenwäsche mit Handstickerei, Damastsätze in voller Zahl und Aussteuerwäsche in gutem Zustand bewerten wir einzeln, einfache Baumwollwäsche gemeinsam.
Was ist Wiener Petit Point?
Eine sehr feine Nadelmalerei im Gobelinstich auf Stramin, mit mehreren hundert Stichen pro Quadratzentimeter, oft mit Lupe ausgeführt. Typisch sind Abendtaschen mit Metallbügel, Etuis, Puderdosen und kleine Bilder mit Blumen und Figuren.
Wie erkenne ich Stoffe der Wiener Werkstätte?
Hinweise sind der Schriftzug an der Webkante, typische Muster und Farben sowie Musterbezeichnungen. Weil viele Entwürfe nachgedruckt wurden, prüfen wir Stoffqualität, Druckart und Webkante.
Kaufen Sie Messgewänder und Kirchentextilien?
Ja, wenn die Herkunft geklärt ist, etwa bei Paramenten aus Familienbesitz oder aus einer dokumentierten Veräußerung einer Pfarre. Ohne geklärte Provenienz kaufen wir kirchliche Textilien nicht an.
Wie lagere ich alte Textilien bis zur Besichtigung?
Dunkel, trocken und luftig, am besten in säurefreiem Seidenpapier. Plastiksäcke fördern Stockflecken, Falten an immer derselben Stelle führen zu Brüchen.
Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.
Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.
Lieber schriftlich? Zum Anfrageformular