Künstler: Design 20. Jh.
Gustav Siegel
Innenarchitekt, Möbeldesigner, 1880–1970, Wien – Wien
Hoffmann-Schüler und Chefdesigner bei Jacob & Josef Kohn; führte Bugholz mit quadratischem Querschnitt ein und entwarf die Fauteuils der Postsparkasse.
Gustav Siegel erlernte das Tischlerhandwerk und studierte 1897–1901 an der Wiener Kunstgewerbeschule, ab 1899 bei Josef Hoffmann. Auf Hoffmanns Empfehlung wurde er Chefdesigner der Bugholzfirma Jacob & Josef Kohn, für die er schon um 1900 arbeitete. Nach der Fusion von Kohn mit der Mundus AG 1914 blieb er bei Mundus; 1929 leitete er das Entwicklungsbüro von Thonet-Mundus und saß in der Jury eines internationalen Wettbewerbs für Bugholzmöbel. Er starb 1970 in Wien.
Für die Pariser Weltausstellung 1900 entwarf Siegel eine Speise- und eine Schlafzimmereinrichtung von Kohn; 1901 zeigte die Firma die Ausstattung eines ganzen Hauses aus Bugholz. Sein Fauteuil mit niedriger Lehne, angelehnt an ein Modell des späten 18. Jahrhunderts, verwendete erstmals Bugholz mit quadratischem Querschnitt. Otto Wagner setzte ihn im Depeschenbüro der Zeitung „Die Zeit“ und in der Postsparkasse ein; Kohn und Thonet variierten das Modell.
Kohn-Möbel tragen Brandstempel oder Papieretiketten mit „J. & J. Kohn Wien“ und Modellnummern; nach 1914 erscheinen Mundus-Kennzeichen. Siegels Entwürfe werden häufig Otto Wagner oder Josef Hoffmann zugeschrieben, weil sie in deren Bauten standen; die Kataloge von Kohn klären die Urheberschaft. Spätere Varianten mit rundem Querschnitt gehören zu Nachfolgemodellen anderer Entwerfer.
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