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Fundstücke aus Dachboden und Keller

In Dachbodenabteilen und Kellern von Wiener Altbauten lagern oft Dinge, die seit Jahrzehnten niemand bewegt hat. Ein Teil davon hat Sammlerwert – erkennbar an Material, Marke und Zustand.

Wiener Altbau-Dachböden

Viele Gründerzeithäuser haben Dachböden mit Abteilen aus Holzlatten, in denen Parteien über Generationen abgestellt haben, was in der Wohnung keinen Platz mehr fand. Steht ein Dachgeschoßausbau an, fordert die Hausverwaltung die Parteien auf, ihre Abteile zu räumen – und mit dem Ausbau verschwinden auch die Bestände, um die sich niemand gekümmert hat. Klären Sie vor dem Termin, wo der Schlüssel zum Vorhängeschloss des Abteils liegt.

Unter dem Dach finden sich typischerweise Koffer und Hutschachteln, gerahmte Bilder, Spiegel, Luster, Bugholzsessel, Kinderspielzeug, Christbaumschmuck aus Glas, Zeitschriftenstapel und Holzkisten mit Geschirr. Reisekoffer mit Hotelaufklebern und Hutschachteln mit dem Aufdruck Wiener Modehäuser werden eigens gesammelt. Trockene Luft konserviert Holz und Papier besser als ein feuchter Keller; sommerliche Hitze unter dem Blechdach setzt aber Schellackplatten, Fotos und Wachsfiguren zu.

Keller: feucht, aber ergiebig

Im Keller lagern die schwereren Dinge: Werkzeug, Weinflaschen, Einsiedegläser, Fahrräder, Nähmaschinen, Kisten mit Geschirr und Gläsern. Feuchtigkeit greift Papier, Leder und Eisen an; Glas, Keramik, Zinn und Messing überstehen sie meist ohne bleibende Schäden. Kupferkessel, Messingmörser und Emailgeschirr aus alten Küchen werden als Dekorationsstücke gekauft, Gusseisenpfannen und Einsiedegläser dagegen kaum.

Möbel mit Holzwurm sind nicht automatisch verloren. Ausfluglöcher mit hellem, frischem Bohrmehl zeigen aktiven Befall, alte Löcher mit dunklen Rändern eine längst erloschene Besiedlung. Schimmel auf Polsterungen und Papier lässt sich dagegen selten beheben.

Was sich lohnt – und was selten

Gefragt sind Dinge mit Hersteller, Epoche oder Sammlergebiet. Wenig Nachfrage gibt es dagegen für unmarkiertes Massenporzellan, Pressglas der Nachkriegszeit, Lexika, Bleikristall-Vasen der 1970er-Jahre in großer Stückzahl und Bilder als Leinwanddruck.

Christbaumschmuck ist ein eigenes Sammelgebiet: mundgeblasene Glasfiguren aus Gablonz oder Lauscha, versilberte Kugeln mit Drahtumwicklung und Originalschachteln sind gefragt, Kunststoffkugeln der 1970er-Jahre nicht.

  • Blechspielzeug, Modelleisenbahnen etwa von Märklin oder Kleinbahn, Puppen mit Porzellan- oder Masseköpfen
  • Schellackplatten, Grammophone, Röhrenradios und Kameras
  • Emailschilder, Reklame, Blechdosen mit Firmenaufdruck
  • Werkzeug von Tischlern, Uhrmachern und Buchbindern
  • Ansichtskarten, Fotografien, Plakate und Zeitschriften vor 1945
  • Orden, Uniformteile und Säbel der Monarchie und der Ersten Republik
  • Möbel des Biedermeier und der Gründerzeit, Bugholzmöbel von Thonet, Jugendstil-Luster

Papier, Fotografien und Glasplatten

Papier ist auf Dachböden die häufigste und am leichtesten übersehene Fundgruppe. Plakate, Ansichtskarten, Sammelbilder, Fahrpläne, Speisekarten, Theaterzettel und Firmenkataloge werden gesammelt, besonders mit Wiener Motiven. Zeitungen sind dagegen meist nur als Einzelausgaben zu bestimmten Ereignissen gefragt, etwa zum Ende der Monarchie 1918.

Fotografien sind am wertvollsten, wenn sie datierbar sind: Visitkartenporträts mit Atelierstempel auf der Rückseite, Aufnahmen von Straßen und Geschäften, Alben mit Beschriftung. Glasplattennegative sind zerbrechlich und schwer; stellen Sie sie hochkant in ihre Originalschachteln zurück, statt sie zu stapeln, und fassen Sie sie nur an den Kanten an.

Radios, Grammophone, Nähmaschinen

Technik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat eine eigene Sammlerschaft. Gefragt sind Trichtergrammophone, Röhrenradios österreichischer Hersteller wie Kapsch oder Minerva, frühe Kameras, Rechenmaschinen und Nähmaschinen mit Dekor. Typenschild, Seriennummer und Vollständigkeit – Rückwand, Knöpfe, Trichter, Kurbel – entscheiden.

Schalten Sie alte Röhrengeräte nicht ein: Kondensatoren, die jahrzehntelang ohne Spannung waren, können beim ersten Einschalten durchschlagen und das Gerät beschädigen. Ein Foto der Vorderseite, der Rückseite mit Typenschild und eines Blicks ins offene Gehäuse genügt für die Einschätzung.

Richtig fotografieren

Für die Ersteinschätzung braucht es keine Studiofotos. Tragen Sie Kleines ans Tageslicht, statt es unter der Dachbodenbirne mit Blitz zu fotografieren, und legen Sie einen Zollstock oder ein Blatt Papier im Format A4 daneben.

  • ein Übersichtsfoto des Abteils, bevor etwas bewegt wird
  • größere Objekte einzeln, von vorne und von hinten
  • Unterseiten von Porzellan, Glas und Spielzeug mit Marke oder Prägung
  • Typenschilder an Geräten, Radios und Nähmaschinen
  • Kisteninhalt von oben, so wie er liegt, bei Papierkisten zusätzlich ein Griff in die Mitte

Was Sie vorher lassen sollten

Putzen, Polieren und Reparieren verändern Oberflächen, die Sammler unberührt sehen wollen. Patina auf Bronze, Messing und Zinn gehört zum Objekt, und Spielzeug im Originalkarton erzielt mehr als ohne, selbst wenn der Karton beschädigt ist. Werfen Sie Kartons, Anleitungen und Etiketten nicht weg; auch Zollstempel an Kisten und Beschriftungen auf Schachteln helfen bei der Datierung.

Beim Durchsehen schützen Handschuhe und eine Staubmaske vor Schimmelsporen und Taubenkot. Alte Fotochemikalien, Farben, Lösungsmittel und Batterien gehören zur Problemstoffsammlung; in Wien nehmen die Mistplätze der MA 48 sie an.

Wenn das ganze Abteil leer werden muss

Häufig ist der Anlass eine Frist der Hausverwaltung. Dann wird zuerst bewertet, was Sammlerwert hat; den verbleibenden Inhalt räumt auf Wunsch eine Schwesterseite, für Wiener Häuser entruempelung-danube.at, für Niederösterreich entruempelung-noe.co.at. Der Ankaufsbetrag lässt sich mit den Räumungskosten verrechnen, und Restbestände übernimmt ein nach § 24a AWG 2002 registrierter Abfallsammler. In Gemeindebauten von Wiener Wohnen ist bei einer Wohnungsrückgabe auch das Kellerabteil geräumt, versperrt und mit Stiegen- und Türnummer beschriftet zu übergeben.

Häufige Fragen

Lohnt die Anfrage, wenn ich nicht weiß, was in den Kisten ist?

Ja. Ein Foto vom geöffneten Kisteninhalt reicht oft für eine erste Einordnung, ohne dass Sie alles auspacken.

Das Abteil gehört nicht mir. Darf ich verkaufen?

Verkaufen darf nur, wem die Sachen gehören oder wer darüber verfügen darf. Zurückgelassenes früherer Mieter auf Gemeinschaftsflächen ist nicht automatisch Ihres; im Zweifel klärt das die Hausverwaltung, und angekauft wird erst danach.

Ist Schimmel ein Ausschlussgrund?

Nicht immer. Bücher mit Stockflecken, Glas, Porzellan und Metall sind oft noch verkäuflich; stark befallene Polstermöbel und Textilien in der Regel nicht.

Was ist mit Militaria vom Dachboden?

Orden, Abzeichen, Uniformteile und Blankwaffen der Monarchie und der Ersten Republik werden angesehen. Schusswaffen gehen ausschließlich über befugte Waffenhändler. Für NS-Devotionalien mit Propagandacharakter gibt es keinen Ankauf.

Die Hausverwaltung hat eine Frist gesetzt. Was tun?

Schicken Sie Fotos und nennen Sie das Datum. Besichtigung, Ankauf und Räumung lassen sich dann auf diese Frist abstimmen.

Sind alte Schellackplatten etwas wert?

Die meisten Schlager- und Tanzmusikplatten kaum. Gesucht sind seltene Aufnahmen, Jazz, Wiener Lieder auf frühen Etiketten und Platten in Originalhüllen; Fotos von Etikett und Hülle genügen für die Einschätzung.

Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.

Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.