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Jugendstil & Wiener Werkstätte im 10. Bezirk, 1100 Wien

Jugendstilglas und Art déco aus Favoriten

Familien aus Böhmen und Mähren brachten Glas aus den Hütten ihrer Heimat mit; das Amalienbad am Reumannplatz zeigt den späten Dekor der Wiener Moderne.

Im Norden des Bezirks stehen Arbeiterzinshäuser der Gründerzeit mit Bassena und Gangtoilette, im ganzen Bezirk Gemeindebauten aus den 1920er- bis 1970er-Jahren, im Süden, bis Oberlaa und Rothneusiedl, Siedlungshäuser und Kleingärten. Weil Gemeindewohnungen häufig in der Familie weitergegeben werden, sammeln sich darin Dinge aus mehreren Generationen. Jugendstil erscheint hier in erschwinglicher Form: irisierende Vasen, Pressglas mit Blütenranken, Zinnteller, Postkarten, gelegentlich ein Bugholzsessel aus dem Gasthaus der Großeltern.

Seit etwa 1850 fanden Zuwanderer aus Böhmen und Mähren Arbeit in den Ziegelwerken am Wienerberg und in den Bahnwerkstätten. Aus diesen Ländern kam auch das Glas der Wiener Moderne: Die Hütte Loetz in Klostermühle führte Entwürfe von Koloman Moser, Josef Hoffmann und Michael Powolny aus. Böhmisches Glas, Heiligenbilder und tschechischsprachige Bücher finden sich in Favoritner Familienbeständen bis heute. Mit Fliesen und Glasdekor markiert das Amalienbad (1923–1926) am Reumannplatz den Übergang zum Art déco; geplant haben es Otto Nadel und Karl Schmalhofer.

Irisierendes Glas fotografieren Sie am besten gegen das Licht und von unten: Abriss, Signatur oder geätzte Marke helfen bei der Zuordnung zu Loetz oder anderen Hütten. In Kleingartenhütten am Laaer Berg oder in Siedlungshäusern in Oberlaa liegen Kisten oft unbeheizt – Glas und Zinn vertragen das, Papier und Stoffe weniger. Gemeindebau-Kellerabteile im George-Washington-Hof oder an der Per-Albin-Hansson-Siedlung sichten wir gemeinsam mit Ihnen.

Was in Favoriten häufig auftaucht

  • Irisierendes Glas aus böhmischen Hütten – Familienbestände von Zuwanderern aus Böhmen und Mähren
  • Pressglas und Zinn mit Jugendstildekor – Erstausstattung der Arbeiterzinshäuser im Norden des Bezirks
  • Keramik und Fliesen der 1920er-Jahre – Gemeindebauten und Amalienbad als Bezugspunkte

Mit Bezug zu Favoriten

Künstler, Werkstätten und Stile dieser Sparte, die im 10. Bezirk gelebt, gearbeitet oder gebaut haben.

Alle Künstler, Marken, Epochen und Materialien

Gold markiert: mit belegtem Bezug zum 10. Bezirk.

Künstler

64

Manufakturen & Marken

52

Epochen & Stile

11

Materialien, Techniken & Punzen

26

Fragen zu Jugendstil & Wiener Werkstätte

Ich habe eine komplette Jugendstileinrichtung – wie gehen Sie vor?

Zuerst werden Fotos der Möbel, Marken und Beschläge gesichtet, danach folgt eine Besichtigung vor Ort. Einrichtungen werden möglichst geschlossen bewertet, weil die Zusammengehörigkeit den Wert stützt. Die Abholung wird gemeinsam geplant.

Mein Objekt hat eine WW-Marke – ist es damit echt?

Nicht zwingend. Marken der Wiener Werkstätte wurden häufig gefälscht und nachträglich eingeschlagen. Entscheidend sind Material, Verarbeitung, Proportionen und der Vergleich mit dokumentierten Modellen im Archiv.

Was ist Gitterwerk?

Gitterwerk sind Körbe, Vasen, Jardinieren und Tafelaufsätze aus durchbrochenem Eisenblech mit quadratischem Lochmuster, meist weiß lackiert, seltener aus Silber. Josef Hoffmann und Koloman Moser entwarfen sie ab etwa 1904 für die Wiener Werkstätte.

Welche Postkarten der Wiener Werkstätte sind gesucht?

Gesucht sind Karten bekannter Künstler wie Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Rudolf Kalvach oder Moriz Jung, ungelaufene Karten in gutem Zustand und seltene Nummern. Die Nummer auf der Rückseite erlaubt die Bestimmung von Serie und Entwerfer.

Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.

Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.