Silber & Tafelsilber im 1. Bezirk, 1010 Wien
Innere Stadt: Silber und Tafelsilber zwischen Graben und Ring
Silberkästen aus Ringstraßenpalais, Etuis von Juwelieren am Graben und Kohlmarkt, Gerät der Wiener Werkstätte: Die Innere Stadt hat Wiens dichteste Silbertradition.
Speisezimmer des Historismus in den Ringstraßenpalais waren für Tafeln mit zwölf und mehr Gedecken eingerichtet. Entsprechend groß sind die Bestände, die bei Verlassenschaften zutage kommen: Besteckgarnituren in Silberkästen, Kandelaber, Tafelaufsätze, Terrinen und Saucieren, Menagen und Brotkörbe. Was in der Juwelierzone von Graben, Kohlmarkt und Kärntner Straße gekauft wurde, liegt oft noch im Originaletui mit Firmenaufdruck. In barocken Bürgerhäusern mit Pawlatschenhöfen sind die Bestände kleiner, dafür älter: Biedermeierbecher, Zuckerdosen, einzelne Leuchter.
Die Wiener Werkstätte eröffnete 1907 ihr Verkaufslokal am Graben, im selben Jahr stattete sie das Kabarett Fledermaus an der Kärntner Straße nach Entwürfen Josef Hoffmanns aus. A. E. Köchert, ehemals k. k. Hof-Juwelier, führt sein Geschäft am Neuen Markt seit 1873, Rozet & Fischmeister arbeitet am Kohlmarkt. Als Vergleich dienen die Silberkammer der Hofburg und die Weltliche Schatzkammer, in der die vergoldete Silberwiege des Königs von Rom von 1811 steht; das MAK am Stubenring verwahrt das Archiv der Wiener Werkstätte.
Fotografieren Sie für die erste Einschätzung die Punzen aus der Nähe, bei Besteck auf der Rückseite des Stiels, bei Gerät am Boden oder am Rand. Bitte nicht vorher polieren, sonst leiden Punzen und Patina. Das Gewicht ermitteln wir bei der Besichtigung; Bruchsilber und einzelne Teile ohne Sammlerwert vergüten wir zum Tageswert. Silber lässt sich gut tragen, deshalb spielen Fußgängerzone und Stiegenhaus hier kaum eine Rolle.
Was in Innere Stadt häufig auftaucht
- Besteckgarnituren und Silberkästen – Speisezimmer der Ringstraßenpalais, Tafeln für zwölf und mehr Personen.
- Silber in Originaletuis von Juwelieren am Graben, Kohlmarkt und Neuen Markt – Kundschaft der Firmen seit dem 19. Jahrhundert.
- Silber der Wiener Werkstätte – Verkaufslokal am Graben ab 1907, Kundenkreis im Großbürgertum.
- Kandelaber und Tafelaufsätze des Historismus – Repräsentationsräume der 1860er- bis 1890er-Jahre.
Mit Bezug zu Innere Stadt
Künstler, Werkstätten und Stile dieser Sparte, die im 1. Bezirk gelebt, gearbeitet oder gebaut haben.
Josef Hoffmann
Kabarett Fledermaus an der Kärntner Straße (1907), Gesamtausstattung durch die Wiener Werkstätte.
Koloman Moser
Fries der Kranzträgerinnen am Secessionsgebäude.
Oswald Haerdtl
Café Prückel am Stubenring 24 (Neugestaltung 1954), Espresso „Arabia“ am Kohlmarkt 5 (1950) und Stephansplatz 9 (1957), Geschäft Altmann & Kühne mit Hoffmann (1932).
Jože Plečnik
Zacherlhaus an der Brandstätte (1903–1905).
Hans Hollein
Kerzengeschäft Retti am Kohlmarkt (1965), Juwelier Schullin am Graben (1974) und am Kohlmarkt (1982), Haas-Haus am Stephansplatz (1990).
Josef Tautenhayn
Figuren der Exekutive und Legislative am Pallas-Athene-Brunnen vor dem Parlament.
Stefan Schwartz
„Adventus Augusti“ am Michaelertrakt, Ritterstatuen der Neuen Burg und Schenkl-Denkmal im Arkadenhof der Universität.
Heinrich Kautsch
Kränze am Heldentor.
Fritz Waerndorfer
Finanzierte 1907 das Cabaret Fledermaus an der Ecke Kärntner Straße und Johannesgasse.
Wiener Werkstätte
Verkaufslokal am Graben ab 1907.
A. E. Köchert
Geschäft am Neuen Markt seit 1873; ehemals k. k. Hof-Juwelier.
Rozet & Fischmeister
Geschäft am Kohlmarkt.
Dorotheum
Stammhaus in der Dorotheergasse, seit 1788 am Ort des ehemaligen Dorotheerklosters; Neubau von Emil von Förster (1898–1901).
Hochbarock
Pestsäule am Graben (1693 geweiht) und Jesuitenkirche mit Pozzos Scheinkuppel; Rubens-Bestand im Kunsthistorischen Museum.
Wiener Barock
Prunksaal der Hofbibliothek, Palais Kinsky, Winterpalais des Prinzen Eugen, Peterskirche.
Spätbarock
Providentiabrunnen am Neuen Markt; Prunksarkophag von Balthasar Ferdinand Moll in der Kapuzinergruft.
Rokoko
Bellottos Wiener Veduten im Kunsthistorischen Museum.
Josephinischer Stil
Palais Pallavicini am Josefsplatz, 1783/84 von Hohenberg.
Klassizismus
Theseustempel im Volksgarten, Äußeres Burgtor, Stadttempel in der Seitenstettengasse, Canova-Grabmal in der Augustinerkirche.
Empire
Wiege des Königs von Rom (1811) in der Weltlichen Schatzkammer der Hofburg.
Wiener Empire
Danhauser-Entwurfszeichnungen im MAK; Prunkräume der Albertina mit Ausstattung der 1820er-Jahre.
Biedermeier
MAK am Stubenring mit Schausammlung zu Empire und Biedermeier.
Zweites Rokoko
Stadtpalais Liechtenstein in der Bankgasse mit Ausstattung 1837–1847; Kaiserappartements der Hofburg.
Historismus
MAK am Stubenring, 1863 als Museum für Kunst und Industrie gegründet; Parlament von Theophil Hansen.
Neorenaissance
Staatsoper, MAK-Gebäude, Hauptgebäude der Universität, Kunst- und Naturhistorisches Museum, Palais Ephrussi.
Neobarock
Neue Burg am Heldenplatz, Michaelertrakt der Hofburg, ehemaliges Kriegsministerium am Stubenring, Ronacher.
Ringstraßenstil
Ringstraße mit Staatsoper, Parlament, Rathaus, Universität, Burgtheater, Hofmuseen, Börse, Palais Ephrussi und Epstein.
Jugendstil
Postsparkasse von Otto Wagner, Ankerhaus am Graben, Zacherlhaus von Jože Plečnik.
Stil der Wiener Werkstätte
Archiv der Wiener Werkstätte im MAK; Kabarett Fledermaus von 1907.
Arts and Crafts
Secession, deren achte Ausstellung 1900 Ashbee und Mackintosh zeigte.
Art déco
Hochhaus Herrengasse von Siegfried Theiss und Hans Jaksch (1931/32).
Fünfzigerjahre-Design
Café Prückel am Stubenring mit Einrichtung der 1950er-Jahre.
Postmoderne
Haas-Haus am Stephansplatz (1985–1990) und Juwelier Schullin am Graben (1974) von Hans Hollein.
Frühbarock
Dominikanerkirche (1631–1634), Fassade der Kirche Am Hof (1662) mit Mariensäule (1667), Leopoldinischer Trakt der Hofburg.
Geometrischer Jugendstil
Postsparkasse von Otto Wagner mit Aluminiumdetails; MAK mit Möbeln und Metallarbeiten.
Manierismus
Kunsthistorisches Museum mit Arcimboldo und Kunstkammer; Rudolfinische Hauskrone in der Weltlichen Schatzkammer der Hofburg.
Neogotik
Rathaus von Friedrich von Schmidt (1872–1883).
Renaissance
Schweizertor der Hofburg, Stallburg mit Arkadenhof, Renaissanceportal der Salvatorkapelle; Kunsthistorisches Museum mit Bruegel-Sammlung.
Objektgruppen
- Besteckgarnituren in Kassetten
- Kaffee- und Teeservice aus Silber
- Silberne Kerzenleuchter
- Tafelaufsätze und Jardinieren aus Silber
- Silberne Zuckerdosen
- Biedermeier-Becher
- Silberpokale und Ehrengeschenke
- Taufbecher und Kinderbesteck
- Russisches Tafelsilber
- Englisches Silber mit Hallmarks
- Französisches Silber
- Deutsches Silber mit Halbmond und Krone
- Art-déco-Silber
- Skandinavisches Silber
- Versilbertes Tafelgerät
- Brotkörbe und Schalen aus Silber
- Silberne Toilettegarnituren
- Tabletts und Servierplatten
- Terrinen und Saucieren
- Menagen und Salieren
- Wein- und Sektkühler aus Silber
- Silberne Bilder- und Fotorahmen
- Karaffen mit Silbermontierung
- Wiener Silber des Historismus
- Barocksilber
- Bruchsilber
Alle Künstler, Marken, Epochen und Materialien
Gold markiert: mit belegtem Bezug zum 1. Bezirk.
Künstler
16
- Josef Hoffmann1870–1956
- Koloman Moser1868–1918
- Carl Otto Czeschka1878–1960
- Dagobert Peche1887–1923
- Otto Prutscher1880–1949
- Oswald Haerdtl1899–1959
- Jože Plečnik1872–1957
- Carl Auböck1900–1957 (Carl Auböck II), 1924–1993 (Carl Auböck III)
- Hans Hollein1934–2014
- Georg Adam Scheid1838–1921
- Anton Scharff1845–1903
- Josef Tautenhayn1837–1911
- Stefan Schwartz1851–1924
- Rudolf Marschall1873–1967
- Heinrich Kautsch1859–1943
- Fritz Waerndorfer1868–1939
Manufakturen & Marken
30
- J. C. KlinkoschMitte 19. Jahrhundert bis 20. Jahrhundert
- Mayerhofer & KlinkoschMitte 19. Jahrhundert
- Jarosinski & Vaugoinseit 1847
- Alexander Sturmspätes 19. Jahrhundert bis Zwischenkriegszeit
- Würbel & Czokallyzweite Hälfte 19. Jahrhundert bis frühes 20. Jahrhundert
- Wiener Werkstätte1903–1932
- Berndorfer Metallwarenfabrikseit 1843
- Argentor-Werkeum 1900 bis Zwischenkriegszeit
- WMFseit 1853
- Christofleseit 1830
- Georg Jensen Sølvsmedieseit 1904
- Tiffany & Co.seit 1837
- Puiforcatseit 1820
- Bruckmann & Söhne1805–1973
- Koch & Bergfeldseit 1829
- Robbe & Berkingseit 1874
- Wilkensseit 1810
- Gorhamseit 1831
- Elkingtonum 1830 bis 1960er-Jahre
- Liberty & Co.seit 1875
- A. E. Köchertseit 1814
- Rozet & Fischmeisterk. u. k. Hof-Juwelier, besteht bis heute
- Fabergé1842–1918
- Wiener Medaillenprägeanstalten19. und 20. Jahrhundert
- Buccellatiseit 1919
- Dorotheumseit 1707
- Dunhillseit 1893
- Hemmerleseit 1893
- Münze ÖsterreichMünzstätte seit dem späten 12. Jahrhundert
- Theodor Fahrnerbis 1979
Epochen & Stile
30
- Hochbarockum 1680–1730
- Wiener Barockum 1683–1740
- Spätbarockum 1730–1770
- Rokokoum 1730–1770
- Zopfstilum 1760–1790
- Josephinischer Stilum 1780–1800
- Klassizismusum 1770–1840
- Empireum 1804–1830
- Wiener Empireum 1804–1820
- Biedermeier1815–1848
- Zweites Rokokoum 1830–1870
- Historismusum 1840–1914
- Neorenaissanceum 1860–1895
- Neobarockum 1870–1914
- Ringstraßenstilum 1860–1890
- Jugendstilum 1895–1914
- Stil der Wiener Werkstätte1903–1932
- Arts and Craftsum 1860–1910
- Art découm 1920–1940
- Skandinavisches Designum 1930–1975
- Fünfzigerjahre-Designum 1948–1962
- Postmoderneum 1970–1995
- Chinoiserieum 1680–1790, Wiederbelebung im 19. Jahrhundert
- Frühbarockum 1600–1680
- Geometrischer Jugendstilum 1900–1915
- Louis-seizeum 1760–1792
- Manierismusum 1520–1620
- Neogotikum 1840–1900
- Renaissanceum 1420–1600 (nördlich der Alpen ab etwa 1500)
- Russische Ikonenmalereium 1100–1917
Materialien, Techniken & Punzen
34
- Dianakopf-Punze
- Wiener Beschauzeichen
- Lot-System
- 13-lötiges Silber
- Silber 800
- Silber 835
- Silber 900
- Sterlingsilber
- Silber 950
- Feinsilber
- Amtsbuchstabe A
- Fiskalstempel
- Taxstempel
- Meistermarke
- Österreichische Feingehaltspunzen 1866
- Österreichische Feingehaltspunzen 1922 und 1937
- Halbmond und Krone
- Englische Hallmarks
- Russische Punzen
- Minerva-Punze
- Vermeil
- Niello
- Alpaka
- Berndorf-Alpaka
- Chinasilber
- Versilberung
- Sheffield Plate
- Britanniametall
- CCM-Punze
- Guilloché-Email
- Plique-à-jour
- Tula-Silber
- WW-Monogramm
Fragen zu Silber & Tafelsilber
Mindern Monogramme den Wert?
Einfache Monogramme mindern meist nur leicht, weggeschliffene Gravuren dagegen stärker, weil die Wandung dünner wird. Wappen bekannter Familien und Widmungen mit Bezug zur Geschichte können das Interesse sogar erhöhen.
Was bedeutet die Zahl 800 auf meinem Besteck?
Sie gibt den Feingehalt an: 800 von 1000 Teilen sind reines Silber. 800 war um 1900 der übliche Feingehalt für deutsches und österreichisches Tafelsilber, 925 ist Sterlingsilber. Steht nur eine Zahl wie 90 oder 100 neben einer Firmenmarke, handelt es sich meist um versilberte Ware.
Was ist der Dianakopf?
Die Silberpunze Österreich-Ungarns von 1872 bis 1922 zeigt den Kopf der Jagdgöttin Diana mit einer Ziffer für den Feingehalt: 1 für 950, 2 für 900, 3 für 800 und 4 für 750 Tausendteile. Ein zusätzlicher Buchstabe nennt das Punzierungsamt, A steht für Wien.
Kaufen Sie Silber nur nach Gewicht?
Nein. Sammlerstücke, Arbeiten bekannter Hersteller und gut erhaltenes altes Silber werden als Objekt bewertet, oft deutlich über dem Metallwert. Nur beschädigtes oder einfaches Gebrauchssilber wird nach Feingehalt und Gewicht zum Tageswert angekauft.
Silber & Tafelsilber in den Nachbarbezirken
Weitere Sparten in Innere Stadt
- Alte Meister
- Gemälde des 19. Jahrhunderts
- Klassische Moderne
- Zeitgenössische Kunst
- Gemälde & Ölbilder
- Grafik, Zeichnungen & Aquarelle
- Fotografie
- Skulpturen & Plastiken
- Wiener Bronzen
- Jugendstil & Wiener Werkstätte
- Design des 20. Jahrhunderts
- Antike Möbel
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- Porzellan
- Keramik, Majolika & Fayence
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- Zinn, Kupfer, Messing & Eisenkunst
- Dosen, Miniaturen & Objets de vertu
- Schreibgeräte, Feuerzeuge & Raucherbedarf
- Vintage-Mode, Handtaschen & Accessoires
- Klassische Fahrzeuge
- Altwaren & Hausrat mit Sammlerwert
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