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Klassische Moderne im 9. Bezirk, 1090 Wien

Klassische Moderne am Alsergrund: Gerstl, Freud und das Klinikviertel

Richard Gerstl malte in der Liechtensteinstraße, in der Berggasse 19 empfing Freud André Breton. Ärzte- und Professorenhaushalte prägen die Bestände.

Rund um Berggasse und Porzellangasse, entlang der Liechtensteinstraße und der Währinger Straße verbinden viele Gründerzeitwohnungen Privaträume und Arztpraxis unter einem Dach. Ärzte, Juristen und Kaufleute sammelten hier vor 1938 expressionistische Grafik, Bildnisse und Landschaften. Vertreibung und Beraubung trafen Wohnungen, Praxen und Sammlungen; nach 1945 tauchten viele Werke an anderen Adressen wieder auf. Daneben stehen kleinere Altbauwohnungen in Lichtental und Michelbeuern, deren Bestände bescheidener sind, aber oft seit Jahrzehnten unberührt an der Wand hängen.

Richard Gerstl hatte sein Atelier in der Liechtensteinstraße, wo er 1908 starb; sein Werk ist eng mit dem Kreis um Arnold Schönberg verbunden und wurde erst Jahrzehnte später einem breiteren Publikum bekannt. André Breton besuchte Freud 1921 in der Berggasse 19, dem heutigen Sigmund Freud Museum; der Besuch steht für die Nähe von Psychoanalyse und Surrealismus. Am Roßauer Glacis stand von 1864 bis 1944 die Halle des Tandelmarkts, über die Hausrat aus Wohnungsauflösungen der ganzen Stadt in den Handel kam.

Ordinationsräume werden oft zuerst aufgelöst, die Privatwohnung folgt später; beide Teile sehen wir uns bei einem kostenlosen Termin an. Bei Bildern aus Haushalten, die vor 1938 bestanden, fragen wir nach Rückstellungsakten, Rechnungen und Familienfotos mit Wandansichten. Fotos vorab, auch von der Rückseite, erleichtern die Vorbereitung. Ausbezahlt wird bar oder per Überweisung, nachdem die Herkunft geklärt ist.

Was in Alsergrund häufig auftaucht

  • Expressionistische Grafik und Bildnisse – Sammler aus Medizin und Bildungsbürgertum, Schönberg-Kreis; Provenienz wird geprüft
  • Zeichnungen und Aquarelle in Ordinationswohnungen – Praxisräume an Währinger Straße und Berggasse
  • Landschaften und Bildnisse der Zwischenkriegszeit – Altbauwohnungen in Lichtental und Michelbeuern

Alle Künstler, Marken, Epochen und Materialien

Gold markiert: mit belegtem Bezug zum 9. Bezirk.

Künstler

161

Manufakturen & Marken

1

Epochen & Stile

26

Materialien, Techniken & Punzen

15

Fragen zu Klassische Moderne

Was ist ein Nachlassstempel?

Nach dem Tod mancher Künstler kennzeichneten Erben oder Nachlassverwalter Arbeiten aus dem Atelier mit einem Stempel. Er belegt die Herkunft aus dem Nachlass, ersetzt aber keine Prüfung der Zuschreibung.

Mein Bild stammt von einem Hagenbund-Maler, den kaum jemand kennt – lohnt sich eine Anfrage?

Ja. Viele Hagenbund-Mitglieder wurden erst in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt, gute Arbeiten finden heute Sammler und Museen. Fotos genügen für eine erste Einschätzung.

Die Zeichnung hat Stockflecken und ist vergilbt – ist sie noch etwas wert?

Bei gesuchten Künstlern ja. Papierrestauratoren können Flecken mindern und säurehaltige Montagen entfernen. Lassen Sie das Blatt bis zur Besichtigung im Rahmen und nehmen Sie es nicht aus dem Passepartout.

Kaufen Sie auch Werke, die im Exil entstanden sind?

Ja. Arbeiten von Josef Floch, Gerhart Frankl, Marie-Louise von Motesiczky oder Georg Ehrlich, die nach 1938 in London, Paris oder New York entstanden, gehören zur österreichischen Moderne. Ausschlaggebend sind Qualität und Zustand, nicht der Entstehungsort.

Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.

Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.