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Künstler: Wiener Moderne

Richard Gerstl

Maler, 1883–1908, Wien

Frühexpressionist, der 1908 mit 25 Jahren starb; sein Werk wurde erst 1931 aus dem Familiennachlass bekannt und ist im Handel sehr selten.

Richard Gerstl stammte aus einer wohlhabenden Wiener Familie, trat 1898 gegen den Willen des Vaters in die Akademie ein und eckte dort bei Christian Griepenkerl an. 1900 und 1901 lernte er im Sommer bei Simon Hollósy in Nagybánya, später besuchte er kurz die Klasse Heinrich Leflers, die er 1908 verließ. Ab 1906 verkehrte er mit Arnold Schönberg und malte dessen Familie; die Affäre mit Mathilde Schönberg endete im Sommer 1908. Am 4. November 1908 nahm er sich in seinem Atelier das Leben.

Erhalten sind etwa 60 bis 80 Gemälde und wenige Zeichnungen aus den Jahren 1905 bis 1908; Gerstl hatte vor seinem Tod Briefe und Arbeiten verbrannt. Der Bruder lagerte den Nachlass ein, bis Otto Kallir ihn 1931 in der Neuen Galerie ausstellte. Zu den Werken zählen „Die Schwestern Karoline und Pauline Fey“ (1905), das Bildnis Mathilde Schönberg (1907), Traunsee-Landschaften (1907) und „Die Familie Schönberg“ (1908, mumok). Die späten Bilder lösen die Form in pastose, teils gespachtelte Farbflecken auf.

Gerstl stellte zu Lebzeiten nie aus und signierte kaum; Zuschreibungen beruhen auf der Herkunft aus dem Familiennachlass, auf Kallirs Erstausstellung und auf technischen Untersuchungen. Die größten Bestände liegen im Leopold Museum und im Belvedere und erlauben den Vergleich. Pastose Spachtelbilder aus der Zeit um 1908 werden ihm mitunter ohne Beleg zugeschrieben. Kunstdrucke seiner Bildnisse sind verbreitet; ein Original in Privatbesitz braucht eine lückenlos dokumentierte Provenienz.

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