Manufaktur: Glas & Kristall
Johann Lötz Witwe
Klostermühle (Klášterský Mlýn), Böhmerwald, 1851–1947
Böhmische Glashütte in Klostermühle; um 1900 führend bei irisierendem Jugendstilglas und Ausführende zahlreicher Wiener Entwürfe.
Susanne Gerstner, Witwe des Glasmachers Johann Lötz, führte die Hütte in Klostermühle im Böhmerwald ab 1851 unter dem Namen Johann Lötz Witwe. 1879 übernahm ihr Enkel Max Ritter von Spaun die Leitung und richtete die Produktion auf Kunstglas aus. Auf der Pariser Weltausstellung 1900 erhielt die Hütte einen Grand Prix für ihre irisierenden Gläser. Nach Krisen in den 1910er- und 1930er-Jahren endete der Betrieb 1947.
Die Phänomen-Gläser mit gekämmten, metallisch schimmernden Fadenmustern entstanden ab 1898; ihre Dekore sind in Musterbüchern mit Nummern verzeichnet. Für Wiener Auftraggeber, vor allem E. Bakalowits & Söhne, führte die Hütte Entwürfe von Koloman Moser, Josef Hoffmann und Marie Kirschner aus. Michael Powolny entwarf um 1914 orangefarbene Tango-Gläser mit schwarzem Rand. Namen wie Papillon, Cytisus oder Candia bezeichnen Oberflächendekore, nicht Formen.
Viele Stücke sind unsigniert. Die gravierte Signatur „Loetz Austria“ steht vor allem auf Exportware um 1900. Bei Originalen ist die Abrissstelle meist sauber ausgeschliffen. Seit Jahrzehnten kursieren irisierende Nachahmungen mit nachträglich eingeritztem „Loetz“, und Kralik, Pallme-König und andere Hütten produzierten zeitgleich ähnliche Ware. Eine Zuschreibung stützt sich deshalb auf Form, Dekornummer und Vergleichsstücke aus den Musterbüchern. Umfangreiches Vergleichsmaterial bewahrt das Glasmuseum Passau.
Entwerfer & Personen
- Max Ritter von Spaun
- Koloman Moser
- Josef Hoffmann
- Marie Kirschner
- Michael Powolny
- Jutta Sika
- Therese Trethan
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Ebenfalls: Glas & Kristall
- Baccaratseit 1764
- Barovier & TosoFamilie Barovier seit dem Mittelalter, Firmenname seit 1942
- Bimini1923–1938
- Carl Goldbergspätes 19. Jahrhundert bis 1940er-Jahre
- Cristal LaliqueGlas seit etwa 1908
- Cristallerie Daumseit 1878
- Cristallerie Schneider1913 bis um 1981
- E. Bakalowits & Söhne19. Jahrhundert bis 20. Jahrhundert
- Établissements Galléum 1873–1936
- Fachschule Haidaseit 1870
- Fachschule Steinschönauseit 1856
- Fritz Heckert1866–1923, danach Jo-He-Ky
- Graf Harrach'sche Glashütteseit 1712
- Holmegaardseit 1825
- Iittalaseit 1881
- Johann Oertel & Co.seit 1869
- Josephinenhütteseit 1842
- Kosta BodaKosta seit 1742, Kosta Boda seit 1976
- J. & L. Lobmeyrseit 1823
- Ludwig Moser & Söhneseit 1857
- Meyr's Neffe19. Jahrhundert bis 1922
- Nachtmannseit 1834
- Orreforsseit 1898
- Pallme-Königum 1890 bis um 1930
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