Epoche
Hochbarock
Epoche, um 1680–1730
Höhepunkt des Barock mit Illusionsmalerei, Boulle-Marketerie und schwerem Akanthus – in Wien eng verbunden mit dem Aufschwung nach 1683.
Das Hochbarock verbindet römische Raumkunst Berninis und Borrominis mit dem höfischen Stil Ludwigs XIV. in Versailles. Für Mitteleuropa bedeutete der Sieg über das osmanische Heer 1683 vor Wien den Startpunkt: Adel und Orden bauten die zerstörten Vorstädte neu. Kaiser Leopold I. stiftete 1679 die Pestsäule am Graben, die 1693 geweiht wurde. Andrea Pozzo gestaltete 1703 bis 1705 den Innenraum der Jesuitenkirche.
Kennzeichen sind bewegte Fassaden, Kuppeln, Scheinarchitektur in Deckenfresken und das Zusammenspiel aller Künste. Möbel werden monumental: Schreibkabinette, Prunktische mit Steinplatten, Konsoltische mit vergoldetem Schnitzwerk. Boulle-Marketerie verbindet Messing und Schildpatt. Ornamente: schweres Akanthuslaub, Bandelwerk ab etwa 1700, Muscheln, Putten und Lambrequins. Silber zeigt getriebene Blüten und Laubwerk. Die Gemälde arbeiten mit starkem Helldunkel, Diagonalkompositionen und großem Format. Uhren in Boulle-Gehäusen und Spiegel mit geschnitzten Rahmen gehören zur Ausstattung. Tapisserien aus Brüssel und von der Pariser Gobelins-Manufaktur schmückten die Wände.
Das Gartenpalais Liechtenstein in der Rossau, ab 1690 erbaut, besitzt Deckenfresken von Johann Michael Rottmayr und Andrea Pozzo und zeigt Rubens' Decius-Mus-Zyklus. Die Pestsäule am Graben und die Jesuitenkirche mit Pozzos Scheinkuppel stehen im Ersten Bezirk. Im Wiener Handel sind Konsoltische, Rahmen, Ölbilder flämischer und italienischer Schulen, Augsburger Silber und Kirchenplastik gängig; Schildpatt verlangt einen Nachweis nach Artenschutzrecht. Die Peterskirche am Graben wurde ab 1701 errichtet.
Boulle-Möbel wurden im 19. Jahrhundert in Paris und London in Serie nachgebaut; späte Stücke haben Messing aus Walzblech, dünnes Schildpatt oder Horn und maschinell geschnittene Muster. Originale Vergoldung liegt auf Kreidegrund mit Polimentschicht und zeigt Abrieb an Kanten. Barocke Gemälde haben handgewebte Leinwand mit unregelmäßigen Fäden und häufig eine Doublierung.
Woran man es erkennt
- schweres Akanthuslaub
- Bandelwerk ab etwa 1700
- Boulle-Marketerie aus Messing und Schildpatt
- Scheinarchitektur in Deckenfresken
- Konsoltische mit Steinplatten
- Polimentvergoldung auf Kreidegrund
- Putten, Muscheln, Lambrequins
- Helldunkel und Diagonalkomposition
Hochbarock verkaufen: in allen 23 Bezirken
Gold markiert sind Bezirke mit belegtem Bezug.
Alsergrund
Gartenpalais Liechtenstein mit Fresken von Rottmayr und Pozzo und Rubens' Decius-Mus-Zyklus.
Innere Stadt
Pestsäule am Graben (1693 geweiht) und Jesuitenkirche mit Pozzos Scheinkuppel; Rubens-Bestand im Kunsthistorischen Museum.
Mariahilf
Mariahilfer Kirche, im späten 17. Jahrhundert von den Barnabiten errichtet.
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