Epoche
Makartstil
Stilrichtung, um 1870–1890
Nach Hans Makart benannte Wiener Wohnmode aus Plüsch, Draperien, Makartbouquets und tiefen Rottönen – Inbegriff des Ringstraßen-Interieurs.
Hans Makart kam 1869 nach Wien und bezog ein vom Kaiser zur Verfügung gestelltes Atelier in der Gußhausstraße, das er zu einem öffentlich besuchten Schauraum aus Waffen, Teppichen, Stoffen und Antiquitäten machte. Er gestaltete 1879 den Festzug zur Silbernen Hochzeit Franz Josephs und Elisabeths. Sein Atelier wurde Vorbild für die Wohnungen des Großbürgertums; der Name Makart stand bald für einen ganzen Einrichtungsstil.
Räume werden mit schweren Samt- und Plüschvorhängen, Portieren, Orientteppichen, Fellen und Palmen gefüllt. Möbel sind dunkel gebeizt, mit Fransen, Quasten und Posamenten. Das Makartbouquet aus getrockneten Gräsern, Schilf, Palmwedeln und Pfauenfedern steht in hohen Bodenvasen. Farbig dominieren gebrochenes Rot, Gold, Braun und Olivgrün. Malerei: großformatige Allegorien und Historien mit leuchtendem Kolorit, Frauenakte in prächtiger Draperie. Kunsthandwerk liefert Majolika-Vasen, Staffeleien als Möbel und vergoldete Profilrahmen. Waffen, Fächer und Musikinstrumente hängen als Trophäen an den Wänden.
Makarts Lünetten im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums ergänzten Gustav und Ernst Klimt sowie Franz Matsch nach seinem Tod 1884. Die Hermesvilla im Lainzer Tiergarten erhielt ein Schlafzimmer nach Entwürfen aus Makarts Umkreis. Das Belvedere besitzt großformatige Hauptwerke Makarts. Im Handel sind Makartbouquets, Portieren, Staffeleien, Rahmen und Ölskizzen des Malers sowie Werke seiner Schüler gefragt. Sein Nachlass kam 1885 in Wien zur Versteigerung und verstreute Atelierstücke in viele Haushalte.
Ölskizzen Makarts sind breit und schnell gemalt, oft auf Holz oder Karton, mit Asphalt-Untermalung, die zu Schwundrissen neigt. Spätere Nachahmungen zeigen ungerissene Oberflächen und moderne Bindemittel. Originale Makartbouquets aus der Zeit sind brüchig und verblasst; wieder gebundene Arrangements sind an frischen Drähten erkennbar. Posamenten aus Seide und Wolle unterscheiden sich von späteren Kunstfasern.
Woran man es erkennt
- schwere Samt- und Plüschvorhänge
- Portieren mit Fransen und Quasten
- Makartbouquets aus Trockengräsern und Pfauenfedern
- Orientteppiche und Felle
- gebrochenes Rot, Gold und Olivgrün
- dunkel gebeizte Möbel
- Asphalt-Untermalung in Gemälden
- Staffeleien als Wohnmöbel
Künstler
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