Epoche
Directoire
Stilrichtung, um 1790–1804
Kurzer Übergangsstil zwischen Louis-seize und Empire mit Säbelbeinen, etruskischen Motiven und sparsamen Bronzen.
Benannt ist der Stil nach dem Direktorium, das Frankreich von 1795 bis 1799 regierte; stilistisch reicht er von der Revolution bis zur Kaiserkrönung Napoleons 1804. Der Wegfall der Pariser Zunftordnung 1791 und der Zusammenbruch des höfischen Auftragswesens führten zu kleineren, bürgerlicheren Möbeln. Vorlagen lieferten antike Vasenbilder, die man als „etruskisch“ bezeichnete, sowie die Stichwerke von Percier und Fontaine. Die Mode bevorzugte hoch gegürtete Kleider nach antikem Vorbild.
Typisch sind Sesselformen nach griechischem Vorbild (Klismos) mit nach außen geschwungenen Säbelbeinen und nach hinten gerollter Lehne. Ornamente: Palmetten, Sterne, Rauten, Lyren, Schwäne, Rosetten und Revolutionssymbole wie Liktorenbündel und Phrygische Mütze. Mahagoni wird mit wenigen Bronzen oder Messingfäden verziert. Möbel sind leichter und schmäler, Bettformen als Bootsbett. Textilien zeigen Streifen und Kleinmuster, Porzellan Schwarz-Rot-Dekore nach antiken Vasen. Uhren erhalten Portalgehäuse aus Marmor oder Alabaster mit wenigen Bronzeappliken. Wandbespannungen zeigen Streifen, Rosetten und Medaillons.
Wien übernahm Directoire-Formen über Stichvorlagen und Zeitschriften; Wiener Tischler kombinierten Säbelbeine und Lyralehnen mit dem regionalen Nussholz. Diese Mischung bildet die Vorstufe des Wiener Empire und des frühen Biedermeier. Im Handel tritt „Directoire“ meist als Bezeichnung für Sessel, Sitzbänke, kleine Tische und Uhren um 1800 auf; französische Originale sind selten. Wiener Sessel mit Lyrabrett in der Lehne entstanden ab etwa 1800 und blieben bis in die 1820er-Jahre beliebt.
Originale Sessel haben Zapfenverbindungen, Gurtung aus Leinen und Polsterung aus Rosshaar, Nägel sind geschmiedet. Spätere Stilmöbel um 1900 tragen Federkernpolster und Dübelverbindungen. Bei Bronzebeschlägen unterscheidet die Ziselierung handwerkliche Feuervergoldung von Galvanik. Schlichte Wiener Stücke dieser Jahre sind häufig unbezeichnet und werden über Konstruktion und Holz eingeordnet. Säbelbeine wurden aus dem vollen Holz gesägt, nicht gebogen.
Woran man es erkennt
- Säbelbeine nach griechischem Vorbild
- rückwärts gerollte Lehnen
- Lyren, Schwäne und Palmetten
- Sterne und Rautenmuster
- Liktorenbündel und Phrygische Mütze
- Mahagoni mit wenig Bronze
- Bootsbetten
- Schwarz-Rot-Dekore nach antiken Vasen
Künstler
- Charles Percier
- Pierre-François-Léonard Fontaine
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