Epoche
Chinoiserie
Stilrichtung, um 1680–1790, Wiederbelebung im 19. Jahrhundert
Europäische Fantasie über China in Lack, Porzellan und Tapete – in Schönbrunn mit Lackkabinetten und Rundkabinetten erhalten.
Mit dem Import von Porzellan, Lack und Seide durch die Ostindienkompanien entstand im 17. Jahrhundert eine Mode für Ostasiatisches. Europäische Handwerker ahmten Waren nach, die sie nicht herstellen konnten, und erfanden eine eigene Bildwelt aus Pagoden, Mandarinen und Fabeltieren. Die Erfindung des europäischen Porzellans in Meißen 1708/09 beschleunigte die Mode. Im Rokoko erreichte sie ihren Höhepunkt; um 1900 wurde sie erneut aufgegriffen.
Typisch sind Szenen mit Figuren in fantasievoller Tracht, Pagoden, Brücken, Bambus, Päonien und exotischen Vögeln. Möbel wurden mit europäischem Lack (Japanning, Vernis Martin) in Schwarz, Rot oder Grün und Goldmalerei überzogen oder mit importierten Lackpaneelen furniert. Porzellan: Chinesenszenen nach Johann Gregorius Höroldt in Meißen, Fayencen in Kobaltblau aus Delft. Silber zeigt gravierte Chinesenfiguren, Textilien und Tapeten bedruckte oder handbemalte Ostasienmotive. Gartenpavillons in Form von Pagoden und Teehäusern übertrugen die Mode auf Parks, etwa der Chinesische Turm im Münchner Englischen Garten von 1789/90.
Schloss Schönbrunn besitzt das Vieux-Laque-Zimmer mit ostasiatischen Lacktafeln und die chinesischen Rundkabinette mit Lackpaneelen und Porzellan. Die Wiener Porzellanmanufaktur der Du-Paquier-Zeit verwendete ostasiatische Dekore. Im Handel unterscheiden wir zwischen echten Exportwaren aus China und Japan, die unter Asiatika fallen, und europäischen Nachahmungen; bei beiden zählen Erhaltung des Lacks und die Zuordnung der Manufaktur. Das Millionenzimmer in Schönbrunn zeigt indo-persische Miniaturen in Rokokorahmen, einen verwandten Exotismus.
Europäischer Lack liegt meist auf Grundierungen aus Kreide und Leim, ostasiatischer Urushi-Lack auf Hanf- oder Stoffunterlagen und ist härter. Delfter Fayence hat eine Zinnglasur über porösem, gelblichem Scherben, Porzellan ist durchscheinend. Spätere Chinoiserie-Möbel des 19. Jahrhunderts tragen Transferdrucke statt Handmalerei und maschinengesägte Konstruktionen. Meißner Chinesenszenen der Höroldt-Zeit tragen die Schwertermarke in Unterglasurblau; Nachahmungen des 19. Jahrhunderts aus Thüringen und Paris imitieren sie.
Woran man es erkennt
- Pagoden, Brücken und Mandarinenfiguren
- Päonien, Bambus und exotische Vögel
- europäischer Lack in Schwarz, Rot und Grün
- Goldmalerei auf Lackgrund
- Chinesenszenen auf Meißner Porzellan
- Kobaltblaue Fayence aus Delft
- handbemalte Papiertapeten
- eingesetzte ostasiatische Lackpaneele
Künstler
- Johann Gregorius Höroldt
- Jean-Baptiste Pillement
Manufakturen & Werkstätten
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