Epoche
Fauvismus
Kunstbewegung, 1905–1908
Kurzlebige Pariser Bewegung um Henri Matisse mit reinen, ungemischten Farben – benannt nach den „wilden Tieren“ im Herbstsalon 1905.
Im Salon d'Automne 1905 hängten Henri Matisse, André Derain, Maurice de Vlaminck, Albert Marquet und andere ihre Bilder in einem gemeinsamen Saal. Der Kritiker Louis Vauxcelles sprach von einem „Donatello unter wilden Tieren“, was der Gruppe den Namen gab. Bis 1908 löste sich die Bewegung auf; Braque wandte sich dem Kubismus zu. Die Wiener Malerin Helene Funke lebte von 1906 bis 1913 in Paris und stellte dort in den Salons aus.
Die Fauves setzten Farbe frei von der Naturwahrheit ein: grüne Gesichter, rote Bäume, violette Schatten. Ungemischte Farben direkt aus der Tube, breite Pinselstriche, flächige Zonen und vereinfachte Formen erzeugen starke Kontraste. Vorbilder waren van Gogh, Gauguin und der Neoimpressionismus. Motive: Landschaften des Südens, Häfen, Porträts, Interieurs. Raoul Dufy und Kees van Dongen entwickelten daraus später eine dekorative Handschrift für Mode, Stoffe und Gesellschaftsbilder. Holzschnitte Derains und Linolschnitte von Matisse übertrugen die Flächigkeit in die Grafik.
Der Fauvismus wirkte auf den deutschen Expressionismus, besonders auf Die Brücke und den Blauen Reiter. In Österreich steht Helene Funke für diese Farbauffassung; auch Anton Kolig nahm in den 1910er-Jahren kräftige Farbflächen auf. Im Wiener Handel erscheinen Grafik von Matisse, Dufy, Derain und Vlaminck, Stoffentwürfe von Dufy und Werke der österreichischen Rezeption. Matisses Buch „Jazz“ von 1947 mit Pochoir-Tafeln ist ein gesuchtes spätes Hauptwerk der Grafik.
Fauvistische Malerei mit wenigen, kräftigen Strichen ist ein häufiges Ziel von Fälschern. Leinwand, Grundierung, Pigmente und Signatur werden mit Werkverzeichnissen abgeglichen. Grafiken von Matisse und Dufy existieren als Originaldrucke, Reproduktionen nach Zeichnungen und Faksimiles in Büchern; Druckverfahren und Papier unterscheiden sie. Raoul Dufys Stoffentwürfe für Bianchini-Férier sind teils gestempelt. Signaturen der Zeit sind meist gemalt.
Woran man es erkennt
- ungemischte Farben aus der Tube
- Farbe unabhängig vom Gegenstand
- breite, sichtbare Pinselstriche
- flächige Farbzonen
- starke Komplementärkontraste
- vereinfachte Formen
- Landschaften und Häfen des Südens
- dekorative Weiterentwicklung bei Dufy
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