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Manufaktur: Keramik

Friedrich Goldscheider

Wien, 1885 bis in die 1950er-Jahre

Wiener Keramikmanufaktur, 1885 von Friedrich Goldscheider gegründet; Terrakottabüsten des Historismus, Wandmasken und Art-déco-Tänzerinnen.

Friedrich Goldscheider (1845–1897) gründete 1885 in Wien eine Manufaktur für Porzellan, Fayence und Terrakotta, die bald Niederlassungen in Paris und anderen Städten eröffnete. Nach seinem Tod führten Witwe und Bruder das Unternehmen, ab den 1920er-Jahren die Söhne Walter und Marcel Goldscheider. Die Firma beschäftigte zahlreiche Bildhauer und arbeitete mit Entwürfen freier Künstler. 1938 wurde die jüdische Familie enteignet und vertrieben; Marcel setzte die Arbeit in England fort, Walter in den USA. In Wien bestand ein Nachfolgebetrieb bis in die 1950er-Jahre.

Aus der Frühzeit stammen bemalte Terrakottabüsten und Figuren, häufig mit orientalischen Motiven, Mädchen mit Krügen und lebensgroße Büsten auf Sockeln, die als Dekoration in Wiener Wohnungen standen. Um 1900 kamen Jugendstilfiguren, Vasen und Wandreliefs hinzu, ab den 1920er-Jahren Wandmasken mit stilisierten Frauengesichtern und Tänzerinnen in Kostümen, nach Modellen von Josef Lorenzl, Stefan Dakon und weiteren Bildhauern. Auch Bronzen gehörten zum Sortiment. Viele Modelle wurden über Jahre in verschiedenen Farbfassungen ausgeformt.

Frühe Stücke tragen eingeprägte Firmenmarken und häufig den Vermerk „Reproduction réservée“, dazu Modell- und Formnummern. Spätere Keramiken zeigen einen gestempelten Schriftzug „Goldscheider Wien“, oft mit „Made in Austria“, sowie Künstlersignaturen im Sockel. Mit Hilfe der Modellnummern lassen sich Entwurf und Entstehungszeit über Werkverzeichnisse bestimmen. Nachgüsse und Kopien ohne Modellnummer kommen vor. Abgebrochene Finger, Bänder und Hutkrempen sind die häufigsten Schäden; Retuschen an der Bemalung fallen unter UV-Licht auf.

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