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Antiquitäten Wien

Epoche

Zweites Rokoko

Stilrichtung, um 1830–1870

Wiederbelebung des Rokoko mit naturalistischen Blüten, Palisander und Polstergarnituren – Hauptwerk in Wien sind die Räume des Palais Liechtenstein.

Ab etwa 1830 griffen Adel und Großbürgertum in Paris, London und Wien auf das Rokoko zurück, das als Stil vorrevolutionärer Eleganz galt. In Wien wurde das Stadtpalais Liechtenstein in der Bankgasse 1837 bis 1847 nach Plänen des Architekten Peter Hubert Desvignes neu ausgestattet; beteiligt waren die Werkstatt Carl Leistler und Michael Thonet, der 1842 auf Einladung Metternichs nach Wien gekommen war. Der Stil hielt sich bis gegen 1870.

Formen schwingen stärker und weicher als im originalen Rokoko, Rocaillen werden üppiger und mit naturalistischen Rosen, Weinlaub und Blattwerk kombiniert. Palisander, gemaserte Nuss und schwarz polierte Hölzer herrschen vor. Sitzmöbel bilden Polstergarnituren mit Medaillonlehnen und Knopfheftung. Intarsien und Boulle-Imitationen kehren zurück. Porzellan und Glas zeigen üppige Blumenmalerei, Goldrocaillen und Überfangtechniken. Silber wird schwer getrieben, Lustern erhalten Kristallbehang mit Blütenmotiven. Uhren in Rokokogehäusen aus Bronze oder vergoldetem Zinkguss stehen auf Kaminen und Konsolen.

Die Prunkräume des Stadtpalais Liechtenstein mit Parkettböden und Möbeln aus der Zusammenarbeit Leistlers und Thonets gelten als Hauptwerk des Stils in Wien. Die Kaiserappartements der Hofburg zeigen weiß-goldene Boiserien dieser Jahrzehnte. Im Handel sind Sitzgarnituren, Spiegel, Konsolen, Vitrinen, Porzellan, Lustern und Silber des Zweiten Rokoko verbreitet und werden oft fälschlich als Rokoko angeboten. Thonet entwickelte aus diesen Arbeiten das Biegen von Schichtholz und später von massivem Buchenholz.

Unterscheidungsmerkmale zum Original des 18. Jahrhunderts: Federkernpolsterung ab etwa 1840, Maschinensägespuren an Rückseiten, übergroße symmetrische Rocaillen, Palisanderfurnier statt Nuss oder Obstholz. Wiener Silber trägt die Punze mit Jahreszahl; Porzellan aus Böhmen ist an Manufakturmarken erkennbar. Bei Lustern verraten Messingguss und Behang die ursprüngliche Beleuchtung mit Kerzen oder Gas. Herstellermarken fehlen an Möbeln meist.

Woran man es erkennt

  • üppige, symmetrisch gesetzte Rocaillen
  • naturalistische Rosen und Weinlaub
  • Palisander und gemaserte Nuss
  • Polstergarnituren mit Medaillonlehnen
  • Knopfheftung und Federkernpolster
  • weiß-goldene Boiserien
  • Porzellan mit dichter Blumenmalerei
  • Kristalllustern mit Blütenbehang

Künstler

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