Künstler: Kunstgewerbeschule & Keramik
Lucie Rie
Keramikerin, 1902–1995, Wien – London
Powolny-Schülerin, die 1938 nach London emigrierte; Schalen und Flaschen mit Sgraffito und Rohglasuren aus dem Atelier in Albion Mews.
Lucie Rie, geborene Gomperz, stammte aus einer bürgerlichen jüdischen Wiener Familie und studierte 1922–1926 an der Kunstgewerbeschule bei Michael Powolny. Danach eröffnete sie ein eigenes Keramikatelier in Wien; ihre Wohnung richtete 1928 Ernst Plischke ein. Nach dem „Anschluss“ 1938 emigrierte sie nach London und wohnte ab 1939 in Albion Mews nahe dem Hyde Park, wo sie bis zu ihrem Tod 1995 arbeitete. 1960–1971 lehrte sie mit Hans Coper an der Camberwell School of Art.
Nach dem Krieg stellte Rie zunächst Keramikknöpfe und Schmuck für Modehäuser her, deren Farbabstimmung ihre Glasurversuche anregte. Ab 1946 arbeitete Hans Coper in ihrem Atelier; aus dieser Zeit stammen Tee- und Kaffeeservice beider. In den späten 1940er Jahren entstanden Sgraffito-Dekore, später Schalen und Flaschen mit Rohglasuren, bei denen Ton und Oxide in einem Brand reagieren. Formen und Glasuren orientieren sich an chinesischer und japanischer Keramik.
Ries englische Arbeiten tragen ein eingedrücktes Siegel mit dem Monogramm „LR“; bei gemeinsamen Servicen mit Coper erscheinen beide Siegel. Wiener Arbeiten vor 1938 sind abweichend bezeichnet und seltener. Knöpfe liegen im Victoria and Albert Museum und in der Sainsbury Collection und dienen als Vergleich. Bei Stücken ohne gesicherte Herkunft entscheiden Scherben, Glasurstruktur und Fußbearbeitung.
Epochen & Stile
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