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Epoche

Pointillismus

Kunstbewegung, um 1886–1910

Malerei in Punkten reiner Farbe, die sich erst im Auge mischen – begründet von Georges Seurat, in Italien als Divisionismus mit Segantini.

Georges Seurat zeigte 1886 auf der letzten Impressionistenausstellung „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“. Er stützte sich auf die Farbenlehren von Michel-Eugène Chevreul und Ogden Rood und wollte das Licht methodisch statt intuitiv darstellen. Paul Signac setzte die Richtung nach Seurats Tod 1891 fort und schrieb ihre Theorie nieder. In Italien entwickelten Giovanni Segantini und Giuseppe Pellizza da Volpedo den Divisionismus mit fadenartigen Strichen.

Die Farbe wird in kleinen Punkten oder Tupfen ungemischt nebeneinandergesetzt, sodass sich Komplementärfarben aus der Distanz zu leuchtenden Mischtönen verbinden. Bilder wirken still, geordnet und flimmernd, Figuren erstarren zu Silhouetten. Gemalte Rahmen und Ränder in Punkten setzen den Farbkontrast fort. Segantini legte lange, parallele Farbfäden für Hochgebirgslicht. Zeichnungen mit Conté-Kreide auf rauem Papier erzeugen Tonwerte aus der Papierstruktur. Die Methode beeinflusste Fauvisten und frühe Abstrakte. Signac malte Häfen und Küsten des Mittelmeers in größeren, mosaikartigen Tupfen.

Das Belvedere besitzt Segantinis „Die bösen Mütter“ von 1894; die Secession stellte Segantini in ihren ersten Jahren mehrfach aus. Die Methode wurde in Wien über Ausstellungen bekannt; eine eigene österreichische Schule bildete sich nicht. Im Handel sind pointillistische Gemälde selten; häufiger erscheinen Druckgrafik von Signac und Théo van Rysselberghe sowie Studien in Aquarell. Henri-Edmond Cross arbeitete vor allem an der Côte d'Azur in hellen, breiteren Farbtupfen.

Pointillistische Malweise ist leicht nachzuahmen; Fälschungen zeigen oft gleich große, schematische Punkte ohne Bezug zur Farbtheorie. Originale variieren Punktgröße und Richtung nach Bildzone. Werkverzeichnisse von Seurat, Signac und Segantini sind maßgeblich, Pigmentanalysen ergänzen die Prüfung. Unter der Lupe zeigen Originale Punkte, die sich überlagern und in noch feuchte Schichten gesetzt sind. Signacs Aquarelle sind lockerer und lassen das Papier frei.

Woran man es erkennt

  • Punkte und Tupfen ungemischter Farbe
  • optische Farbmischung im Auge
  • Komplementärkontraste
  • statische, geordnete Kompositionen
  • gemalte Punkt-Ränder und -Rahmen
  • fadenartige Striche im Divisionismus
  • Conté-Kreide auf rauem Papier
  • Hochgebirgslicht bei Segantini

Künstler

  • Georges Seurat
  • Paul Signac
  • Henri-Edmond Cross
  • Théo van Rysselberghe
  • Giovanni Segantini
  • Giuseppe Pellizza da Volpedo
  • Camille Pissarro

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