Michael Thonet im 1. Bezirk, 1010 Wien
Michael Thonet in der Inneren Stadt: vom Palais zum Kaffeehaus
1843–1846 arbeitete Thonet mit Carl Leistler im Palais Liechtenstein, ab 1849 bestuhlte er das Café Daum am Kohlmarkt – frühe Wiener Aufträge für Bugholz.
Auf Anraten Metternichs kam Michael Thonet 1842 aus Boppard nach Wien und erhielt im selben Jahr ein Privileg auf das Biegen von Holz. Erste Arbeit fand er mit seinen Söhnen in der Werkstatt Carl Leistlers, die 1843 bis 1846 das Stadtpalais Liechtenstein ausstattete. 1849 gründete er eine eigene Werkstatt, und das Café Daum am Kohlmarkt bestellte Sessel – ein früher Großauftrag, der Bugholz in die Wiener Kaffeehäuser brachte. Der Kohlmarkt mit Hoflieferanten und Juwelieren verband Hofburg und Graben und war eine der ersten Geschäftsadressen der Stadt.
Frühe Thonet-Möbel bestehen aus verleimten, gebogenen Holzstäben; der Sessel Nr. 14 ab 1859 aus massiv gebogener Buche, mit wenigen Schrauben zerlegbar. Für die Datierung zählen Brandstempel, Papieretiketten unter dem Sitz, Modellnummern und die Konstruktion des Sitzrings. Bugholzmöbel anderer Firmen wie J. & J. Kohn sind eigene Sammelstücke, ebenso spätere Thonet-Auflagen. Bugholzmöbel aus Altstadtwohnungen, Kanzleien und aufgelassenen Kaffeehäusern bewerten wir nach Fotos der Unterseite.
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