Epoche
Orientalismus
Kunstbewegung, um 1830–1914
Europäische Bilder vom Nahen Osten und Nordafrika – in Wien von Leopold Carl Müller, Ludwig Deutsch und den Bronzen Franz Bergmanns getragen.
Napoleons Ägyptenfeldzug, die Eroberung Algeriens 1830 und später die Eröffnung des Suezkanals 1869 lenkten den Blick europäischer Künstler auf Ägypten, die Levante und den Maghreb. Reisen, Fotografie und Weltausstellungen versorgten ein Publikum, das Exotik suchte. Wiener Maler reisten nach Kairo, Tanger und Konstantinopel; einige, etwa Ludwig Deutsch und Rudolf Ernst, ließen sich in Paris nieder und malten für den internationalen Markt.
Gemälde zeigen Basare, Moscheen, Wüstenlandschaften, Wasserträgerinnen, Wachen, Schriftgelehrte und Haremsszenen, gemalt mit großer Detailgenauigkeit in Stoffen, Fliesen und Waffen. Die Farbigkeit ist hell und warm, mit starkem Licht. Wiener Bronzen bilden Teppichhändler, Kamelreiter und Lampenträger in kalter Bemalung. Lobmeyr fertigte Gläser mit Email nach mamlukischen Moscheeampeln. Möbel und Räume im maurischen Stil zeigen Hufeisenbögen, Holzgitter und Messingeinlagen. Fotografen wie Félix Bonfils in Beirut lieferten Vorlagen und Reiseandenken. Orientteppiche ergänzen solche Räume.
Leopold Carl Müller, genannt Ägypter-Müller, und Johann Victor Krämer sind im Belvedere vertreten. Franz Bergmanns Gießerei schuf die bekanntesten orientalistischen Wiener Bronzen. Das Heeresgeschichtliche Museum im Arsenal und die Zacherlfabrik in Döbling, 1892/93 in Moscheeform errichtet, zeigen orientalisierende Architektur. Im Handel sind Gemälde, Wiener Bronzen, Glas und Orientteppiche verbunden; bei Teppichen arbeiten wir mit Orientteppich Koppensteiner zusammen. Müller reiste mehrfach nach Ägypten und lebte zeitweise in Kairo.
Wiener Bronzen der Bergmann-Werkstatt tragen die Marke B in einer Vase oder das umgekehrte „Namgreb“; späte Nachgüsse haben unscharfe Bemalung und Zinkkern. Orientalistische Gemälde wurden vielfach kopiert; Signatur, Leinwandstempel Pariser Händler und Malweise grenzen Originale ein. Fotografien des 19. Jahrhunderts aus Kairo und Konstantinopel sind Albuminabzüge mit Negativnummer. Marken anderer Wiener Gießereien kommen vor.
Woran man es erkennt
- Basar-, Moschee- und Wüstenszenen
- detailgenaue Stoffe, Fliesen und Waffen
- helles, warmes Licht
- kaltbemalte Wiener Bronzen mit Orientfiguren
- Emailgläser nach Moscheeampeln
- Hufeisenbögen und Holzgitter
- Albuminfotografien aus dem Orient
- Pariser Händlerstempel auf Leinwänden
Künstler
Manufakturen & Werkstätten
- Franz Bergmann
- J. & L. Lobmeyr
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Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.
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