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Antiquitäten Wien

Epoche

Ringstraßenstil

Stilrichtung, um 1860–1890

Wiener Ausprägung des Historismus entlang des Prachtboulevards: Parlament, Oper, Museen, Rathaus und die Palais der Großbürger.

Mit dem Handschreiben Kaiser Franz Josephs vom Dezember 1857 begann die Schleifung der Stadtmauern; am 1. Mai 1865 wurde die Ringstraße eröffnet. Auf dem frei gewordenen Glacis entstanden öffentliche Bauten und Mietpalais für Adel, Bankiers und Industrielle, darunter viele jüdische Familien wie Ephrussi, Epstein und Todesco. Die Stadterweiterung prägte eine Generation von Architekten, Malern und Kunsthandwerkern. Die Bebauung zog sich bis in die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg.

Jeder Bau erhielt einen inhaltlich begründeten Stil: Parlament nach griechischem Vorbild, Rathaus neogotisch, Universität im Renaissancestil, Burgtheater mit barocken Zügen. Wohnpalais haben Beletage, Prunkstiegen, Plafondmalereien und Parkett mit Intarsien. Ausstattungen kombinieren Stuck, Lederprägetapete, dunkles Nussholz, Kassettendecken und Kristallluster. Typische Objekte sind Prunkvasen, Pendulen auf Kaminen, Tafelaufsätze aus Silber, Ölbilder in vergoldeten Profilrahmen und Speisezimmer im altdeutschen Stil. Wintergärten, Rauchsalons und Damenzimmer erhalten eigene Ausstattungen; Luster aus Bronze und Kristall verbinden Gas- und Kerzenlicht.

Zur Ringstraße gehören Staatsoper, Musikverein und Künstlerhaus, Parlament und Rathaus, Universität, Burgtheater, die beiden Hofmuseen, Börse, MAK und die Votivkirche jenseits der Bezirksgrenze. Die Palais Ephrussi und Epstein entwarf Theophil Hansen. Im Handel stammen viele Möbel, Lustern, Gemälde und Silberobjekte aus Wohnungen dieses Viertels; Provenienz aus Familien, die nach 1938 enteignet wurden, prüfen wir vor jedem Ankauf. Das Palais Todesco steht an der Kärntner Straße gegenüber der Oper.

Ringstraßen-Ausstattungen sind häufig für den Raum gebaut und tragen Spuren des Ausbaus: abgeschnittene Sockel, Wandbefestigungen, Nummerierungen der Tischler. Originale Profilrahmen aus der Zeit haben Polimentvergoldung auf Kreidegrund, spätere Rahmen Bronzefarbe. Silber trägt Wiener Punzen mit Feingehalt und Firmenzeichen von Hoflieferanten. Intarsierte Parkettfelder wurden nummeriert verlegt und lassen sich bei Ausbau zuordnen.

Woran man es erkennt

  • Stilwahl nach Bauaufgabe
  • Mietpalais mit Beletage
  • Prunkstiegen und Plafondmalerei
  • Intarsienparkett
  • Lederprägetapeten und Kassettendecken
  • Kristallluster und Kaminpendulen
  • vergoldete Profilrahmen
  • Tafelaufsätze von Hoflieferanten

Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.

Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.