Epoche
Floraler Jugendstil
Stilrichtung, um 1895–1905
Frühe, pflanzenhafte Phase des Jugendstils mit Ranken, Blüten und Frauenköpfen – in Wien an Wagners Majolikahaus und in Glas, Keramik und Bronzen.
Der florale Jugendstil steht in Wien am Anfang der Erneuerung nach 1895. Er nahm Anregungen aus Paris, Brüssel und München auf und verband sie mit den Pflanzenstudien der Kunstgewerbeschule. Otto Wagner und seine Schüler setzten Pflanzenornamente an Fassaden, die böhmischen und Wiener Glas- und Keramikbetriebe übertrugen sie auf Serienware. Nach 1902 drängte die geometrische Richtung um Hoffmann und Moser den floralen Stil in Wien rasch zurück, im Kunstgewerbe blieb er bis 1910 verbreitet.
Leitmotive sind Rosen, Mohn, Seerosen, Iris, Sonnenblumen, Kastanienblätter und Weinlaub, verbunden durch schwingende Stängel. Frauenköpfe mit langem Haar, Nymphen und Tänzerinnen bilden Figuren. Glas wird irisierend, mit Fäden und Flecken (Loetz, Pallme-König), Keramik mit plastischen Blüten, Glasuren in Grün, Violett und Gold. Bronzen und Zinnobjekte formen Schalen als Blätter und Leuchter als Pflanzenstängel. Möbel tragen geschnitzte Blattranken und Messingbeschläge in Pflanzenform. Plakate und Buchschmuck verbinden Pflanzenornament mit geschwungener Schrift. Silber erhält getriebene Blüten.
Das Majolikahaus an der Linken Wienzeile trägt eine Fassade aus wetterfesten Fliesen mit Rosenranken, das Nachbarhaus vergoldete Medaillons nach Koloman Moser. Oskar Laske gestaltete die Fassade der Engel-Apotheke in der Bognergasse mit Mosaikengeln. Wiener Bronzen, Goldscheider-Figuren, Amphora-Keramik und Glas von Johann Lötz Witwe gehören zu den häufigen Handelsobjekten dieser Richtung. Die Gießerei Franz Bergmann und Zinnhersteller wie Kayser lieferten florale Leuchter und Schalen in großer Zahl.
Floral dekorierte Jugendstilware wurde ab den 1970er-Jahren vielfach nachgeahmt, besonders Bronzelampen, Zinnschalen und Irisglas. Originales Loetz-Glas hat abgeschliffene Abrisse und eine fein verteilte Irisierung, Nachahmungen oft gespiegelte Oberflächen und Signaturen, die Loetz kaum verwendete. Goldscheider-Keramik trägt Prägemarken und Modellnummern; Zinn von WMF oder Kayser hat Stempel und Nummern. Echte Patina ist ungleichmäßig.
Woran man es erkennt
- Rosen, Mohn, Iris und Seerosen
- schwingende Pflanzenstängel
- Frauenköpfe mit langem Haar
- irisierendes Glas mit Fäden und Flecken
- plastische Blüten auf Keramik
- Majolikafliesen an Fassaden
- Bronzeleuchter in Pflanzenform
- Mosaik mit Figurenmotiven
Künstler
- Otto Wagner
- Koloman Moser
- Oskar Laske
- Alfons Mucha
- Alois Ludwig
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