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Epoche

Realismus

Kunstbewegung, um 1840–1890

Malerei des Alltäglichen ohne Idealisierung, von Courbet bis Pettenkofen – zeitgleich mit der Erfindung der Fotografie und dem Wiener Petzval-Objektiv.

Gustave Courbet stellte 1855 in Paris einen eigenen „Pavillon du Réalisme“ neben der Weltausstellung auf und gab der Bewegung ihren Namen. Gegen akademische Historienmalerei setzten Realisten das Bild der Gegenwart: Bauern, Arbeiter, Landschaft. In Österreich hatten Waldmüller und die Biedermeiermaler die genaue Naturbeobachtung vorbereitet. August von Pettenkofen arbeitete in der ungarischen Tiefebene, Mihály Munkácsy in Paris. Der Begriff wurde ab etwa 1850 in der Kunstkritik gebräuchlich.

Gemälde zeigen alltägliche Szenen, Landarbeit, Märkte und Interieurs ohne Pathos, mit erdigen Farben, sichtbarem Pinselstrich und ehrlicher Lichtführung. Formate sind oft klein, Studien vor der Natur werden aufgewertet. Wilhelm Leibl malte Bauern mit altmeisterlicher Genauigkeit. Grafik und Karikatur bei Daumier verbinden Realismus mit Gesellschaftskritik. Die Fotografie verändert das Sehen: Daguerreotypien und später Albuminabzüge dokumentieren Porträt, Stadt und Arbeit. Rahmen werden schlichter, oft schwarz oder mit schmaler Goldleiste. Bildhauer wie Constantin Meunier wandten sich dem Arbeiter zu.

Joseph Petzval berechnete 1840 in Wien ein lichtstarkes Porträtobjektiv, das Voigtländer baute; Wien wurde ein frühes Zentrum der Porträtfotografie. Pettenkofen, Otto von Thoren, Karl Karger und Isidor Kaufmann sind im Belvedere vertreten. Im Handel sind kleinformatige Ölstudien, Zeichnungen, Druckgrafik und frühe Fotografien gefragt; Daguerreotypien und Visitkarten-Fotos erscheinen häufig in Nachlässen. Fotoateliers wie jenes von Ludwig Angerer versorgten das Wiener Bürgertum ab den späten 1850er-Jahren mit Porträts.

Realistische Studien sind oft unsigniert oder tragen Nachlassstempel. Malgrund, Bildträger (Karton, Holz, Leinwand auf Karton) und Vergleich mit gesicherten Werken bestimmen die Zuschreibung. Bei Fotografien unterscheiden sich Daguerreotypie (spiegelnde Silberplatte), Ambrotypie (Glas) und Ferrotypie (Eisenblech) eindeutig; Fotostudios lassen sich über Karton-Aufdrucke datieren. Albuminabzüge sind dünn, meist auf Karton kaschiert und vergilben leicht.

Woran man es erkennt

  • Alltags- und Arbeitsszenen ohne Idealisierung
  • erdige Farbpalette
  • sichtbarer Pinselduktus
  • kleinformatige Studien vor der Natur
  • Bauern- und Marktmotive
  • sozialkritische Karikatur
  • Daguerreotypie und Albuminabzug
  • Visitkarten-Fotografien mit Studioaufdruck

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