Material: Glas
Überfangglas
Glas aus mehreren farbigen Schichten, durch Schliff oder Ätzung freigelegt, typisch für böhmisches Biedermeierglas und französisches Jugendstilglas.
Beim Überfang taucht der Glasmacher ein Kölbel aus farblosem oder weißem Glas in eine farbige Glasmasse oder legt eine farbige Schicht über, sodass beim Aufblasen ein fest verbundener, mehrschichtiger Körper entsteht. Durch Schliff, Schnitt oder Ätzung werden Teile der oberen Schicht wieder entfernt, und die untere Farbe tritt hervor. Böhmische Raffinerien nutzten die Technik ab den 1830er-Jahren für Pokale und Vasen; um 1900 schufen Émile Gallé und die Cristallerie Daum in Nancy geätzte Kameogläser mit Pflanzenmotiven.
An Schliffkanten erkennt man die Schichtung als farbige Ränder über klarem Glas. Bei rubinrotem, blauem oder grünem Überfang auf farblosem Grund wirken freigeschliffene Fenster besonders hell. Kameogläser zeigen reliefartige Motive in mehreren Farbstufen, die Oberfläche ist teils matt geätzt. Signaturen von Gallé und Daum sind meist geätzt oder graviert. Gemalte Imitationen besitzen keine Schichtkanten, und die Farbe lässt sich unter der Lupe als aufliegende Schicht erkennen.
Böhmische Überfanggläser des Biedermeier mit feinem Schliff und französische Kameogläser des Jugendstils sind gesucht, ebenso Arbeiten der Fachschulen in Haida und Steinschönau. Seit Jahrzehnten kursieren Nachahmungen mit Gallé-Signatur; sie zeigen grobe Ätzung, flache Farbstufen und eine zu glatte Signatur. Ausbrüche an Schliffkanten mindern den Wert.
So prüfen Sie es
- farbige Schichtkanten am Schliff
- freigeschliffene Fenster
- mehrfarbiges Relief bei Kameoglas
- geätzte oder gravierte Signatur
- grobe Ätzung bei Nachahmungen
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