Material: Glas
Glasschliff
Bearbeitung von Glas mit rotierenden Schleifrädern zu Facetten, Oliven, Kugeln und Steinelmustern, vor allem in Böhmen hoch entwickelt.
Beim Glasschliff wird das Glas an rotierenden Rädern aus Stein, Eisen oder später Kunststein mit Schleifmittel und Wasser bearbeitet. Böhmische Schleifer entwickelten seit dem 18. Jahrhundert ein reiches Vokabular: Olivenschliff mit länglich ovalen Facetten, Kugelschliff mit runden, konkaven Linsen, Steinelschliff mit kleinen pyramidenförmigen Rautenfeldern und Kerbschliff mit keilförmigen Rillen. Im Biedermeier prägten tiefe, prismatische Schliffe Becher, Pokale und Karaffen, um 1900 auch Lusterbehänge.
Echter Schliff zeigt scharfe Kanten, deren Flächen poliert glänzen; unter der Lupe sind feine Schleifspuren in einer Richtung erkennbar. Die Innenseite eines geschliffenen Bechers bleibt glatt, während das Muster außen eingetieft ist. Kleine Unregelmäßigkeiten zwischen Facetten verraten Handarbeit. Pressglas imitiert Schliff, hat aber gerundete Kanten und Formnähte. Mattschliff wirkt seidig grau und wurde oft mit glänzenden Facetten kombiniert. An Lusterbehängen zeigen geschliffene Prismen klare Facetten.
Die Schliffqualität bestimmt den Wert geschliffener Gläser maßgeblich: Präzision, Tiefe und Politur unterscheiden Spitzenarbeiten von Massenware. Biedermeier-Becher mit Steinel- oder Olivenschliff und Gläser bekannter Raffinerien sind gesucht. Abgeschlagene Kanten lassen sich nachschleifen, was Form und Höhe verändert. Bei Karaffen und Kelchen fallen nachgeschliffene Ränder durch eine geringere Höhe als bei Gegenstücken auf.
So prüfen Sie es
- scharfe, polierte Facettenkanten
- Oliven-, Kugel- oder Steinelmuster
- glatte Innenseite
- feine Schleifspuren unter der Lupe
- Formnähte bei Pressglasimitation
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