Epoche
Wiener Kinetismus
Kunstbewegung, um 1920–1930
Wiener Avantgarde aus Franz Cizeks Klasse an der Kunstgewerbeschule, die Bewegung in Fläche und Rhythmus übersetzte – mit Klien, Ullmann und Karlinsky.
Franz Cizek leitete an der Wiener Kunstgewerbeschule die Klasse für Ornamentale Formenlehre und förderte dort nach 1918 eine eigenständige Avantgarde. Er nannte die Richtung Kinetismus und verstand sie als Synthese aus Kubismus, Futurismus und Expressionismus. Zu den wichtigsten Schülerinnen zählten Erika Giovanna Klien, My Ullmann und Elisabeth Karlinsky. Die Arbeiten wurden in den 1920er-Jahren in Wien und international ausgestellt; Klien emigrierte 1929 nach New York.
Kinetistische Arbeiten zerlegen Bewegungsabläufe – Tanz, Verkehr, Maschine, Musik – in rhythmisch gestaffelte Flächen, Kreissegmente und Diagonalen. Gouache, Tempera, Collage und Linolschnitt auf Papier sind die Hauptmedien, daneben Entwürfe für Bühne, Mode und Ornament. Farbig dominieren klare Primärfarben mit Schwarz und Grau. Die Werke stehen zwischen angewandter und freier Kunst; viele entstanden als Klassenübungen mit festgelegten Themen, die von mehreren Studierenden parallel bearbeitet wurden. Bewegungsstudien entstanden auch nach Tänzerinnen und Varieténummern.
Ort der Bewegung war die Kunstgewerbeschule am Stubenring, die heutige Universität für angewandte Kunst. Arbeiten Cizeks und seiner Klasse liegen großteils in Wiener Sammlungen, darunter jene der Universität für angewandte Kunst. Im Handel erscheinen Arbeiten auf Papier von Klien, Ullmann, Karlinsky und weniger bekannten Klassenmitgliedern; die Nachfrage ist seit Ausstellungen der 2000er-Jahre stark gestiegen. Cizek leitete außerdem die bekannte Jugendkunstklasse für Kinder.
Kinetistische Blätter sind oft unsigniert oder tragen nur Initialen und Klassenvermerke. Zuschreibungen stützen sich auf Stil, Papier, Rückseitenvermerke und Vergleich mit dokumentierten Ausstellungsstücken. Nachempfundene Arbeiten jüngeren Datums verraten sich durch Acryl statt Gouache und durch optische Aufheller im Papier. Kliens Arbeiten aus der New Yorker Zeit unterscheiden sich durch Material und Motivwahl von den Wiener Blättern.
Woran man es erkennt
- rhythmisch gestaffelte Flächen
- Kreissegmente und Diagonalen
- Bewegungsthemen wie Tanz und Verkehr
- Gouache und Tempera auf Papier
- Linolschnitt und Collage
- Primärfarben mit Schwarz und Grau
- Klassenübungen mit festen Themen
- Bühnen- und Ornamententwürfe
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