Material: Malerei & Grafik
Rötel
Rote Kreide aus Eisenoxid und Ton, seit der Renaissance für Studien und Porträts verwendet und im 18. Jahrhundert in Frankreich besonders beliebt.
Rötel ist eine natürliche rote Kreide aus Ton und Eisenoxid. Leonardo da Vinci und Michelangelo zeichneten um 1500 Studien in Rötel; im 18. Jahrhundert nutzten französische Künstler wie Antoine Watteau und François Boucher den warmen Ton für Figuren und Porträts, oft kombiniert mit schwarzer und weißer Kreide als trois crayons. Auch an den Akademien diente Rötel für Akt- und Kopfstudien. Die Kreide lässt sich weich verreiben und betont Hauttöne, was sie für Figurenstudien besonders geeignet machte.
Rötelzeichnungen zeigen einen warmen, rotbraunen Strich mit körniger Struktur. Unter der Lupe liegen Pigmentpartikel in den Papierfasern. Gegendrucke, sogenannte Konterabklatsche, entstanden, indem ein feuchtes Blatt auf die Zeichnung gepresst wurde; sie sind spiegelverkehrt und blasser. Die Kreidemanier ist ein Druckverfahren des 18. Jahrhunderts, das Rötel imitiert und unter der Lupe Punktreihen zeigt. Moderne Drucke haben Raster. Wasserzeichen alter Papiere stützen die Datierung.
Rötelzeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts sind gesucht und erfordern fachkundige Zuschreibung. Konterabklatsche und Drucke in Kreidemanier haben geringeren Wert als Originale. Verblassung und Flecken mindern den Wert. Akademische Studien des 19. Jahrhunderts sind häufiger. Sammlerstempel auf der Rückseite belegen frühere Provenienzen.
So prüfen Sie es
- warmer, rotbrauner Strich
- körnige Pigmentpartikel
- spiegelverkehrte, blasse Konterabklatsche
- Punktreihen bei Kreidemanier
- Wasserzeichen im Papier
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