Manufaktur: Glas & Kristall
Fachschule Haida
Haida (Nový Bor), Nordböhmen, seit 1870
1870 eröffnete Glasfachschule im nordböhmischen Haida; Schwerpunkt Glasmalerei, Ätzung und Schliff.
In Haida, dem Handelsort der nordböhmischen Glasveredler, eröffnete 1870 eine eigene Fachschule. Ihr Schwerpunkt lag auf Malerei, Ätzung und Schliff für die zahlreichen Raffinerien und Exporthäuser der Stadt. Gemeinsam mit der älteren Schule im benachbarten Steinschönau setzte sie die technischen Standards der Region. Die Glasschule in Nový Bor führt diese Tradition fort. Der Lehrplan verband Zeichnen und Entwurf mit praktischer Arbeit in Werkstätten für Malerei, Ätzung und Schliff.
Aus dem Unterricht stammen Emailmalereien mit Wappen und Ornamenten im Stil der Neorenaissance, Schwarzlotmalerei, Vergoldungen und geätzte Dekore. Ab etwa 1910 und bis in die 1930er-Jahre entwarfen Lehrkräfte Vasen, Dosen und Flakons im Geschmack der Wiener Moderne und des Art déco, die zum Teil in Kleinserien gefertigt und auf Ausstellungen gezeigt wurden. Häufige Formen sind Deckeldosen, Flakons und Vasen aus Schwarz- und Opalglas.
Auch Haidaer Schularbeiten sind meist ungemarkt. Hinweise geben gemalte oder gravierte Schülernamen, Jahreszahlen und Inventarnummern auf der Unterseite. Weil sich Schul- und Raffineriearbeiten technisch kaum unterscheiden, lässt sich ohne Beleg nur die Region bestimmen. Gemalte Dekore auf Haidaer Glas sind empfindlich; Abrieb an Gold und Email mindert den Erhaltungszustand. Emailmalerei in Abziehbildtechnik gehört meist zur späteren Industrieware und hat mit Schularbeiten nichts zu tun.
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