Manufaktur: Glas & Kristall
Fachschule Steinschönau
Steinschönau (Kamenický Šenov), Nordböhmen, seit 1856
1856 gegründete Glasfachschule in Nordböhmen; Ausbildungsstätte für Schleifer, Graveure und Glasmaler der Raffinerien.
Die Fachschule in Steinschönau wurde 1856 gegründet und gilt als älteste Glasfachschule Mitteleuropas. Sie bildete den Nachwuchs für die Raffinerien der Region aus, die Glas schliffen, gravierten, ätzten und bemalten. Absolventen arbeiteten später in Betrieben, die für Wiener Häuser wie J. & L. Lobmeyr veredelten. Nach 1918 lag die Schule in der Tschechoslowakei; sie besteht als Glasschule in Kamenický Šenov weiter.
Erhaltene Schularbeiten umfassen Proben im Tief- und Hochschnitt, Pokale mit Wappen, Porträts und Landschaften, Ätz- und Emailarbeiten sowie Lusterbehänge, für die Steinschönau bekannt war. Um 1910 und in den 1920er-Jahren entstanden Arbeiten im Stil des Jugendstils und des Art déco, oft nach Entwürfen der Lehrkräfte, daneben Ausstellungsstücke in kleiner Auflage. Typische Motive sind Kurorte, Jagdszenen, Heilige und Monogramme, ausgeführt mit dem Kupferrad.
Schulstücke sind selten gemarkt. Manche tragen eine Schülersignatur, eine Jahreszahl oder eine Gravur mit dem Namen der Anstalt. Ohne solche Angaben bleibt eine Zuschreibung unsicher, weil Lehrer und Absolventen dieselben Techniken in den Raffinerien der Umgebung anwandten. Belegte Vergleichsstücke und Ausstellungskataloge sind die wichtigste Grundlage für eine Bestimmung. Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit Werkstattarbeiten aus Haida und mit späteren Gravuren auf älteren Rohlingen, deren Schnitt flacher ausfällt.
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