Epoche
Phantastischer Realismus
Kunstbewegung, um 1946–1980
Wiener Malerschule aus Gütersloh-Schülern – Fuchs, Brauer, Hausner, Hutter und Lehmden – mit altmeisterlicher Technik und surrealen Bildwelten.
Nach 1945 sammelten sich an der Wiener Akademie Studenten um Albert Paris Gütersloh: Ernst Fuchs, Arik Brauer, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden und, älter, Rudolf Hausner. Angeregt vom Surrealismus und von Edgar Jené entwickelten sie im Art Club eine figurative, traumhafte Malerei. Den Namen „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ prägte der Kritiker Johann Muschik um 1959. In den 1960er- und 1970er-Jahren erreichte die Gruppe mit Ausstellungen in Europa und Übersee breite Bekanntheit.
Die Maler arbeiteten in Mischtechnik aus Eitempera und Ölharzlasuren nach Vorbild der Altmeister, mit feinster Detailgenauigkeit. Motive: biblische und mythologische Szenen, Landschaften mit Kriegsruinen, Traumgestalten, Selbstbildnisse, phantastische Architekturen. Hausner malte über Jahrzehnte den „Adam“ als Selbstbefragung, Brauer leuchtende Märchenlandschaften, Hutter Gärten und Masken, Lehmden Kriegs- und Vogellandschaften. Druckgrafik – Radierung, Farblithografie, Siebdruck – erschien in hohen Auflagen. Ernst Fuchs entwarf auch Schmuck, Skulpturen, Bühnenbilder und Tarotkarten; Arik Brauer trat zugleich als Sänger auf.
Das Ernst Fuchs Museum in der ersten Otto-Wagner-Villa in der Hüttelbergstraße zeigt Werke Fuchs'. Fuchs gestaltete den Innenraum der Rosenkranzkirche in Hetzendorf, Brauer das Arik-Brauer-Haus, einen Gemeindebau an der Gumpendorfer Straße. Im Wiener Handel ist der Phantastische Realismus breit vertreten; Grafik ist häufig, Gemälde in Mischtechnik werden einzeln nach Motiv, Größe und Zustand bewertet. Lehmden lebte und arbeitete auf Schloss Deutschkreutz im Burgenland.
Druckgrafik der Gruppe wurde in großen, nummerierten Auflagen und teils als Vorzugsdrucke herausgegeben; Werkverzeichnisse geben Auflagen an. Nachgedruckte Plakate und Kunstdrucke sind an Offsetraster und fehlender Bleistiftsignatur erkennbar. Bei Gemälden zeigen Malgrund auf Hartfaser oder Holz und die Schichttechnik die Hand der Künstler. Skulpturen von Fuchs erschienen als Bronzegüsse in Auflage mit Gießereistempel.
Woran man es erkennt
- altmeisterliche Mischtechnik
- Eitempera mit Ölharzlasuren
- feinste Detailgenauigkeit
- biblische und mythologische Themen
- Traumgestalten und Phantasiearchitektur
- leuchtende Märchenlandschaften
- Radierung und Farblithografie in Auflage
- Hartfaser- und Holzmalgründe
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