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Antiquitäten Wien

Epoche

Neogotik

Stilrichtung, um 1840–1900

Wiederbelebung der Gotik für Kirchen, Rathaus und Sakralausstattung – in Wien von Votivkirche bis zu den Pfarrkirchen Friedrich von Schmidts.

In England und Deutschland wurde die Gotik um 1800 als nationaler und christlicher Stil wiederentdeckt; in Österreich steht die Franzensburg in Laxenburg (ab 1798) am Anfang. Nach 1850 wurde die Neogotik zur Norm für den Kirchenbau. Heinrich von Ferstel gewann 1855 den Wettbewerb für die Votivkirche, die nach dem gescheiterten Attentat auf Kaiser Franz Joseph 1853 gestiftet wurde. Friedrich von Schmidt, Dombaumeister von St. Stephan, baute das Rathaus und zahlreiche Pfarrkirchen.

Architektur nutzt Spitzbogen, Maßwerk, Fialen, Wimperge, Rippengewölbe und Sichtziegel kombiniert mit Haustein. Kirchenausstattung umfasst Flügelaltäre, Kanzeln und Chorgestühl aus Eiche oder Nadelholz, gefasste Skulpturen aus Grödner und Tiroler Werkstätten, Glasfenster mit Figurenmedaillons, Monstranzen und Kelche in gotischen Formen. Profanmöbel: Bücherkästen und Schreibtische mit Maßwerkfüllungen, Stühle mit Spitzbogenlehnen. Pendulen und Leuchter zeigen gotische Fensterformen. Andachtsbücher erhalten Einbände mit gotischen Messingbeschlägen. Die Tiroler Glasmalerei- und Mosaikanstalt in Innsbruck lieferte Fenster für Kirchen der ganzen Monarchie.

Die Votivkirche an der Ringstraße (1856–1879) und das Rathaus Friedrich von Schmidts (1872–1883) sind die Hauptbauten. Schmidt errichtete außerdem die Lazaristenkirche in der Kaiserstraße, St. Othmar unter den Weißgerbern, Maria vom Siege in Fünfhaus, die Brigittakirche und die Weinhauser Pfarrkirche. Die Elisabethkirche auf der Wieden entstand in den 1860er-Jahren. Im Handel erscheinen Sakralfiguren, Kirchengerät, Glasfenster, Bücherschränke und Pendulen. Auch zahlreiche Friedhofskapellen folgen dem Stil.

Neogotische Figuren sind meist vollrund geschnitzt, mit gleichmäßiger Fassung und Ölvergoldung; gotische Originale sind rückseitig ausgehöhlt und mehrfach gefasst. Grödner Serienfiguren tragen oft Firmenstempel an der Plinthe. Kirchengerät prüfen wir auf Herkunft aus Pfarren, Klöstern oder aufgelassenen Kapellen, bevor ein Angebot entsteht. Silberne Geräte tragen Punzen mit Feingehalt und Herstellermarke.

Woran man es erkennt

  • Spitzbogen, Maßwerk und Fialen
  • Sichtziegel mit Haustein
  • Flügelaltäre im gotischen Schema
  • vollrund geschnitzte, gefasste Figuren
  • Maßwerkfüllungen an Bücherkästen
  • Glasfenster mit Figurenmedaillons
  • Pendulen in Kirchenfassadenform
  • Monstranzen in Turmform

Was ist es wert? Schicken Sie uns Fotos.

Ein paar Handyfotos reichen für eine erste Einschätzung: Gesamtansicht, Rückseite oder Unterseite, Signatur, Marken und Punzen. Wir melden uns meist am selben Werktag und kommen auf Wunsch zur kostenlosen Besichtigung in jeden Wiener Bezirk.