Epoche
Informel
Kunstbewegung, um 1945–1965
Europäische gestische Abstraktion ohne feste Form – in Wien von der Galerie nächst St. Stephan um Rainer, Prachensky, Hollegha und Mikl getragen.
Der Kritiker Michel Tapié prägte 1951/52 den Begriff Art informel für eine Malerei jenseits geometrischer Form. Vorläufer waren Wols und Jean Fautrier, Hauptvertreter Hans Hartung, Pierre Soulages, Georges Mathieu und Jean Dubuffet. In Deutschland arbeiteten Emil Schumacher, K. O. Götz und Ernst Wilhelm Nay, in Spanien Antoni Tàpies, in Italien Alberto Burri und Emilio Vedova. In Wien eröffnete Monsignore Otto Mauer 1954 die Galerie nächst St. Stephan.
Das Informel stellt den Malprozess in den Vordergrund: Gesten, Spuren, Flecken, Rinnsale, pastose Massen und Materialeinschlüsse wie Sand, Asche oder Teer. Bilder entstehen schnell und spontan, oft in großem Format mit breiten Pinseln, Spachteln oder direkt aus der Tube. Farbigkeit reicht von dunklen Erdtönen bis zu leuchtendem Rot. Tachismus, Lyrische Abstraktion und Materialmalerei sind Varianten. Grafik in Lithografie und Radierung überträgt die Geste auf Papier. Viele Werke tragen keinen Titel oder nur Nummern.
Arnulf Rainer, Markus Prachensky, Wolfgang Hollegha und Josef Mikl bildeten mit Otto Mauer die Gruppe der Galerie nächst St. Stephan in der Grünangergasse. Hans Staudacher, Maria Lassnig, Oswald Oberhuber und später Martha Jungwirth entwickelten eigene informelle Positionen. Georges Mathieu malte 1959 öffentlich in Wien. Im Handel sind österreichisches Informel, insbesondere Werke der St.-Stephan-Gruppe, sowie Grafik internationaler Vertreter gesucht. Otto Mauer war Domprediger am Stephansdom.
Informelle Bilder wirken leicht nachahmbar, doch Duktus, Schichtung und Materialwahl sind charakteristisch. Rückseitige Signaturen, Datierungen und Galerieetiketten, etwa der Galerie nächst St. Stephan, belegen Herkunft. Bei pastosen Werken sind Malschichtablösungen und Risse häufig und beeinflussen den Wert; Restaurierungen zeigen sich unter UV-Licht. Arbeiten auf Papier sind oft in Ölfarbe ausgeführt und zeigen Ölränder.
Woran man es erkennt
- gestischer Malprozess
- Flecken, Spuren und Rinnsale
- pastose Massen und Materialeinschlüsse
- spontane Entstehung in großem Format
- Spachtel und Tube als Werkzeug
- dunkle Erdtöne oder leuchtendes Rot
- Etiketten der Galerie nächst St. Stephan
- Lithografie und Radierung mit Gestik
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