Epoche
Tachismus
Kunstbewegung, um 1950–1962
Spielart des Informel, die mit Farbflecken, Spritzern und Laufspuren arbeitet – vom französischen „tache“ für Fleck, in Wien bei Staudacher und Hollegha.
Der Begriff kam um 1954 in der Pariser Kritik auf, geprägt von Pierre Guéguen und Charles Estienne, und leitet sich vom französischen Wort für Fleck ab. Er bezeichnet eine Malerei, die Farbe in Flecken, Tropfen und Spritzern unmittelbar auf die Fläche bringt. Vorläufer waren Wols und Camille Bryen, in Frankfurt bildete sich 1952 die Gruppe Quadriga um K. O. Götz und Bernard Schultze. In Österreich nahmen Maler aus dem Umkreis der Galerie nächst St. Stephan die Technik auf.
Tachistische Bilder setzen auf den Zufall des Farbauftrags: getupfte, geschleuderte oder fließende Farbe, Laufspuren auf schräg gestellter Leinwand, Überlagerungen dünner und dicker Schichten. Formen bleiben offen und ohne Kontur. Häufig sind Ölfarben mit Lackanteil, später auch Kunstharzfarben. Hans Staudacher verband Fleck und Schrift, Wolfgang Hollegha arbeitete mit großen, leicht fließenden Farbflächen. Aquarell und Tusche auf Papier übertragen das Prinzip in kleinere Formate. Bernard Schultze entwickelte später farbige Reliefs aus Material, die Migofs.
Österreichische Vertreter wie Hans Staudacher, Wolfgang Hollegha, Johann Fruhmann und Christa Hauer stellten in der Galerie nächst St. Stephan und im Ausland aus. Im Wiener Handel ist der Tachismus meist unter dem Begriff Informel geführt; Arbeiten auf Papier, mittelgroße Ölbilder und Grafik erscheinen regelmäßig. Die Grenzen zum Informel und zum Abstrakten Expressionismus sind fließend, Ausstellungen der Zeit mischten die Begriffe. Hollegha lebte und arbeitete ab den 1960er-Jahren am Rechberg in der Steiermark.
Tachistische Bilder sind durch ihre Spontaneität leicht zu imitieren. Für die Zuordnung zählen Farbmaterial, Leinwandvorbereitung, Signaturform, Datierung und Rückseitenvermerke; die Künstler signierten häufig rückseitig mit Titel und Jahr. Galerieetiketten und Ausstellungskataloge stützen die Provenienz. Lack- und Kunstharzanteile führen zu Schrumpfrissen und Runzeln, die zum Werk gehören und nicht wegrestauriert werden sollten. Unter UV-Licht heben sich spätere Retuschen deutlich ab.
Woran man es erkennt
- Flecken, Tropfen und Spritzer
- Laufspuren auf schräger Leinwand
- offene Formen ohne Kontur
- Überlagerung dünner und dicker Schichten
- Zufall als Prinzip
- Verbindung von Fleck und Schrift
- Tusche und Aquarell auf Papier
- rückseitige Signatur mit Titel und Jahr
Künstler
- Wols
- Camille Bryen
- K. O. Götz
- Bernard Schultze
- Hans Staudacher
- Wolfgang Hollegha
- Johann Fruhmann
- Christa Hauer
- Georges Mathieu
- Sam Francis
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