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Epoche

Nazarener

Kunstbewegung, 1809–um 1860

1809 an der Wiener Akademie gegründete Malervereinigung, die nach Dürer und Raffael eine erneuerte religiöse Kunst suchte.

Am 10. Juli 1809 schlossen sich an der Wiener Akademie Studenten um Friedrich Overbeck und Franz Pforr zum Lukasbund zusammen, benannt nach dem Evangelisten Lukas, dem Patron der Maler. Sie lehnten den akademischen Unterricht ab und zogen 1810 nach Rom, wo sie im aufgelassenen Kloster Sant'Isidoro lebten. Der Spottname „Nazarener“ bezog sich auf ihre langen Haare. Später schlossen sich Peter von Cornelius, Philipp Veit und Julius Schnorr von Carolsfeld an.

Vorbilder waren die Malerei vor Raffaels römischer Spätzeit, Perugino und Albrecht Dürer. Bilder zeigen klare, scharf gezogene Umrisse, ungebrochene Lokalfarben, flächige Kompositionen und eine ruhige, feierliche Figurenhaltung. Themen: Heilige, Marienbilder, Szenen aus Bibel und Legende, Freundschaftsbildnisse. Die Gruppe belebte das Fresko neu, etwa in der Casa Bartholdy in Rom. Zeichnungen mit Bleistift in feinster Linie, Kartons für Wandbilder und Andachtsbilder für den Druck bilden große Teile des Werks. Die Malschicht auf Holz oder feiner Leinwand bleibt dünn und glatt.

Joseph von Führich und Leopold Kupelwieser führten die Richtung in Wien bis in die zweite Jahrhunderthälfte. Die Altlerchenfelder Pfarrkirche an der Lerchenfelder Straße, 1848 bis 1861 erbaut, erhielt einen Freskenzyklus nach dem Programm Führichs, ausgeführt von ihm, Kupelwieser und weiteren Malern. Das Belvedere besitzt Gemälde und Zeichnungen des Kreises. Im Handel erscheinen Zeichnungen, Kartons, Andachtsbilder und kleinformatige Ölbilder. Führich lehrte ab den 1840er-Jahren an der Wiener Akademie.

Nazarenische Zeichnungen sind sehr präzise, werden aber oft von Schülern wiederholt; Strichqualität, Papiersorte und Sammlerstempel helfen bei der Zuordnung. Reproduktionen nach Nazarenerbildern wurden als Stahlstiche und Chromolithografien massenhaft gedruckt und sind an Plattenrand, Druckvermerk und Raster erkennbar. Kirchenbilder prüfen wir auf Herkunft aus sakralen Räumen. Kartons sind großformatig und auf mehreren zusammengesetzten Bögen gezeichnet.

Woran man es erkennt

  • scharf gezogene Umrisslinien
  • ungebrochene Lokalfarben
  • feierliche, ruhige Figuren
  • religiöse und legendarische Themen
  • Vorbild Raffael, Perugino und Dürer
  • Kartons und Freskenentwürfe
  • feinste Bleistiftzeichnung
  • Freundschaftsbildnisse

Künstler

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